Bieito, der Biedermann

Basel, Berg: Lulu

Opernwelt - Logo

Auf Bildern ist Marisol Montalvo eine perfekte Lulu. Im Programmheft findet man die dunkelhäutige Schönheit: schlank, unbezähmbar, mit wild funkelnden Augen und irrem Lachen, überwältigt von Lust, ganz hingegeben an den Moment, kindlich und doch höchst gefährlich. Und denkt: Wer sonst als sie sollte die Lulu singen, dieses mythische Frauenwesen, diese Projektionsfläche für männliche Fantasien, dieses «schöne, wilde Tier», das Liebhaber scharenweise um den Verstand bringt und ins Verderben stürzt?
Die Realität auf der Baseler Bühne ist dann ernüchternd.

Gehemmt agiert Montalvo, vorsichtig, mit angezogener Handbremse, als traue sie der Rolle nicht, als hätte sie sie nicht schon oft in Berlin, Paris und anderswo gesungen. Eine Lulu muss an die Grenzen gehen, darf nicht durch des Gedankens Blässe angekränkelt sein. Montalvo aber ist eine Zweiflerin, und so klingt auch ihre Stimme, die allzu oft – etwa im «Lied der Lulu» – glanzlos ist, dünn und dazu weniger textverständlich. Das Sinfonieorchester Basel unter Gabriel Feltz bietet mit seinem langsamen, wattierten Spiel keinen Ankerpunkt.
Haushohe Poster der splitternackten Marisol Montalvo dekorieren das erste Bild. Regisseur Calixto ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2009
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Udo Badelt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Edel verchromt

Die «Puritani», uraufgeführt 1835 im Pariser Théâtre-Italien und dann weltweit erfolgreich, mussten im 20. Jahrhundert zeitweise von der Bühne abtreten. Die Liebes- und Irrsinnstragödie des Fräulein Elvira auf der Folie der englischen Bürgerkriege, die Mitte des 17. Jahrhunderts tobten, und der betörende Süßstoffgehalt der ihr zugesellten Melodien erschienen aus...

Reiz der Nische

In den achtziger Jahren begann das italienische Label Nuova Era den auf dem Opernsektor etwas festgefahrenen Schallplattenmarkt durch Ausgrabungen oft entlegener Werke vor allem aus der Ära des Belcanto aufzumischen. Der Reiz der Neuheit musste bei diesen Publikationen oft beträchtliche klangtechnische und auch künstlerische Defizite aufwiegen. Sobald der...

Alcinas Wellness-Wunder

Wann immer man sich einer Ritter-Roland-Oper nähert, ist eines gewiss: Die Handlung wird turbulent, es geht chaotisch zu im Zauberreich der Alcina. Es wird wild geliebt, gehasst und gestritten. Was für den vielfach erfolgreich wiederbelebten «Orlando furioso» von Antonio Vivaldi gilt, funktioniert jetzt auch im Stadttheater Gießen mit Haydns «Orlando paladino»....