Apropos... Ekstase

Sie scheint ein Faible für außergewöhnliche Frauen zu haben, für Frauen am Rande des Wahnsinns, für exaltierte Frauen, und das bei Verdi ebenso wie bei Wagner oder Dusapin. Was der Mezzosopranistin Christel Loetzsch dabei hilft, sind eine staunenswerte Tessitura, eine variable Stimme und intellektuelles Vergnügen an der Rolle

Frau Loetzsch, unter den Partien, die Sie aktuell in Ihrem Repertoire haben, sind mit Verdis Eboli und Pascal Dusapins Penthesilea zwei Frauen, die mächtig in Raserei geraten. Fällt Ihnen dieser Gemütszustand gleichsam naturgegeben zu oder müssen Sie sich die Ekstase verordnen?
Nein, und ich gebe zu, dass ein solcher Gemütszustand eher hilfreich ist, um einen guten Absprung in eine wirkliche Verkörperung der Rolle zu finden.

Ich finde mich durchaus wieder in der Hysterie solcher Rollen und merke, dass es mir leicht fällt, sie zu interpretieren, auch weil ich dadurch einfacher diese kleine Hürde überspringe, etwas Außergewöhnliches zu tun. An diesen Punkt gelangt man ja immer wieder: Ich betrete ein Bühne und behaupte, dass ich nicht mehr die Privatperson Christel Loetzsch bin, sondern die jeweilige Kunstfigur. Natürlich hilft es am meisten, sich in ein Gefühl hineinzustürzen, das im «normalen» Leben etwas Übertriebenes wäre. Was die Penthesilea angeht: Sie ist ja schon in Kleists Drama eine Frau, die wir sehr schwer verstehen können. Aber auch sie selbst versteht sich ja kaum– was tut sie da, wenn sie am Ende den Geliebten verschlingt? Sie gerät außer Kontrolle, wird von der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2021
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Weiße Welt

Später als andere Musikbühnen und Balletttruppen befasst sich die Opéra national de Paris mit dem Problemkomplex «Ethnische Vielfalt». Spät, aber gründlich: Auf Wunsch seines Anfang September angetretenen neuen Intendanten Alexander Neef hat das größte Opernhaus der Welt einen «Rapport sur la diversité» in Auftrag gegeben. Der 66-seitige Bericht wurde Anfang...

Fantasievolle Collage

Während im vergangenen Sommer die Pforten des Bayreuther Tempels für Richard Wagner Corona-bedingt geschlossen blieben, fand im 1926 erbauten ehemaligen Kino Reichshof ein kleines, aber feines Festival zu Ehren seines Sohnes Siegfried statt, dessen zahlreiche Bühnenwerke dank der Initiative des Regisseurs und Musikwissenschaftlers Peter P. Pachl schon seit einigen...

Impressum April 2021

62. Jahrgang, Nr 4
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752343

REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55

Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de

REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)

REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion@opernwelt.de

...