Apropos... Disposition
Herr Harrison, was war Ihr erster Berufswunsch?
In der Zeit, als ich in London an der Covent Garden Oper als Repetitor engagiert war, habe ich immer davon geträumt, ein großer Dirigent zu werden. Meine damaligen Kollegen und ich fanden uns alle viel begabter als die internationalen Maestri und haben nur auf die Gelegenheit gelauert, ans Pult zu kommen. Na ja, Carlos Kleiber, der ging noch, aber alle anderen waren aus unserer Sicht zweitranging. Wir waren alle ein bisschen hochmütig.
Wie ging es dann weiter mit dem Dirigenten-Traum?
Ich wurde als Assistent des Chordirektors an die Oper Frankfurt engagiert, lernte in der Kantine Deutsch und dirigierte dann mein erstes Musical. Einmal ließ Michael Gielen mich in einer Bühnenorchesterprobe den «Walkürenritt» dirigieren und sagte danach: «Das war gar nicht schlecht!» So kam ich an gewisse Dirigate. Dann ging ich nach Gelsenkirchen, in der Hoffnung, mehr zu dirigieren, und übernahm zum Beispiel die «Zauberflöte».
Und dann kam der Anruf aus Düsseldorf?
Ja, in Gelsenkirchen musste gespart werden, und die Deutsche Oper am Rhein suchte einen Studienleiter. Ich setzte durch, dass ich auch dirigieren durfte, zehn Abende pro Jahr. Allerdings ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Regine Müller
Versucht haben es viele. Doch nur eine Dichterin vermochte es, das «Phänomen» in betörende Worte zu kleiden; kaum zufällig ebenfalls eine viel zu früh Verglühte. In ihrer «Hommage à Maria Callas» beschreibt Ingeborg Bachmann die Diva assoluta als eine Künstlerin, die kontinuierlich über sich selbst hinausging und dabei immer auch das Gegenteil von dem war, was sie...
Frau de Beer, Sie sind seit einigen Jahren eine der gefragtesten Regisseurinnen der jüngeren Generation. Zittern Sie dennoch zuweilen und stellen sich die Frage: «Wollen die mich noch?»
Ich zittere immer. Auch dann, wenn ich Anfragen für die nächsten zwölf Monate habe, aber für das Jahr danach noch gar nichts.
Ist das ein Grundgefühl auch während der Arbeit?
Nein,...
Göttinnen und Götter weisen den Weg. Antike Skulpturen schauen versteckt aus den lauschigen Nischen und Hecken eines veritablen Lustgartens heraus. Die Giardini di Boboli gleichen einem Gesamtkunstwerk des italienischen Gartenbaus. Oberhalb des Palazzo Pitti strecken sie sich den Hügel empor – allein das ein spettacolo, ein Paradebeispiel für jene Kultur der Augen,...
