Im Dickicht der Dialektik

Brahms/Händel/Weill/Ligeti: molto agitato
HAMBURG | STAATSOPER

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Im Anfang ist nicht das Wort. Sondern festliche Musik, wiewohl ironisch verfremdet. Das Orchester spielt die Introduktion zum dritten Akt von Händels «Salomo», aus der Tiefe des Raums kommt Valery Tscheplanova, auf High Heels, im hautengem Kostüm, in Händen die sternenbekränzte USA-Flagge. Einzug der Königin von Saba? Ja und Nein. Ja, weil erotische Energien freigesetzt werden wie in der Verfilmung der biblischen Geschichte mit Gina Lollobrigida. Nein, weil sie sofort gebrochen sind. Verführung führt hier nicht zum Glück. Verführung führt direkt ins Verderben.

Die Welt, vor allem die US-amerikanische, ist schlecht. Und nichts ungeheurer, scheußlicher als ihr männlicher Teil.

«Molto agitato» heißt die Eröffnungspremiere dieser Spielzeit an der Hamburgischen Staatsoper, sie ersetzt die geplante «Boris Godunow»-Inszenierung von Frank Castorf. Der Regisseur verknüpft stattdessen Werke von Händel, Ligeti, Brahms und Weill, und dies auf obsessive, höchst raffinierte Weise. Man muss sich förmlich hineinzwängen in das dialektische Dickicht, um zu verstehen, dass hinter der slapstickhaften Monotonie der Aktionen eine harsche moralische Anklage wohnt. Castorf rechnet ab mit allen, die den ...

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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Jürgen Otten

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