Apropos... Begabung
Herr Hahn, sind Sie ein Wunderkind?
Nein, das glaube ich nicht. Der Begriff ist mir zwar des Öfteren schon begegnet, aber ich glaube, dass es viel mehr sogenannte Wunderkinder gäbe, wenn all jene immer auch die Möglichkeiten und Chancen und das Glück gehabt hätten, wie ich es hatte. Man muss im richtigen Moment die Möglichkeiten bekommen, diese Talente – ob das jetzt etwas mehr oder weniger Außerordentliches ist – beweisen zu können. Dieses Glück hatte ich, genauso hatte ich die richtigen Leute in meinem Umfeld.
Gäbe es das für alle, hätten wir wohl viel mehr Wunderkinder.
Was war Ihre erste Berührung mit klassischer Musik?
Das war im Knabenchor. Ich habe zwar den üblichen Weg gemacht über Blockflöte in der Grundschule und so weiter, aber im Knabenchor habe ich zum ersten Mal wirklich klassische Musik gesungen – zunächst leichtere Muse wie Walzer von Johann Strauss, danach aber Bach-Motetten, -Passionen, -Oratorien, all das kirchenmusikalische Repertoire, und dann die «Zauberflöte». Das war ein ganz entscheidender Punkt in meinen jungen Jahren, als ich einen der drei Knaben in der «Zauberflöte» in der Oper Graz gesungen habe – da habe ich Blut geleckt.
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Hannah Schmidt
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