Tchi tchi, boum boum
Der Argwohn war groß, die Erleichterung noch größer. Fachfremde Berühmtheiten, die Opern zu inszenieren versuchen, fallen meist auf die Nase. Nicht so Christian Lacroix, einst gefeierter Couturier, heute gefragter Kostümbildner für die Bühne. Mit Offenbachs «La vie parisienne» an der Opéra de Rouen Normandie hat der 70-Jährige seinen Regie-Einstand magna cum laude bestanden. Lacroix’ Kostüme zünden erwartungsgemäß ein Feuerwerk an Vielfalt, Fantasie und Farbenfreude.
Sein Bühnenbild, eine Bahnhofshalle, die durch wenige Handgriffe zum bürgerlichen Salon oder zum festlichen Restaurant wird, ist ebenso funktional wie anspielungsreich: Sowohl die im Umbau befindliche Gare Saint-Lazare des ersten Akts als auch das geschmacklich grenzwertige Napoleon-III.-Interieur der Aufzüge drei und vier verweisen klar auf die Entstehungszeit des Werks, das am 31. Oktober 1866 aus der Taufe gehoben wurde.
Vor allem jedoch gibt Lacroix’ Personenführung dem Affen zwar Zucker, verfällt aber nur selten in jenen beifallheischenden Blödelton, der das sogenannte leichte zum seichten Genre entstellt. Gewiss, die halbnackten Muskelmänner (die man in jeder zweiten Inszenierung von Olivier Py findet) und die ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Marc Zitzmann
Die Hoffnungen waren immens, wurden aber nur zur Hälfte erfüllt: Die mit Spannung erwartete Saisoneröffnung am Teatro San Carlo in Neapel zum Auftakt der Intendanz von Stéphane Lissner (der den Neapolitanern versprochen hat, künftig Großes zu leisten) mit Verdis «Otello» geriet – in Anwesenheit von Italiens Präsident Sergio Mattarella und zahleichen Prominenten –...
Über die Frage, was der Mensch sei, haben sich Legionen von Dichtern und Denkern das Hirn zerdrückt. Immerhin eines aber konnte konstatiert werden: Die Krone der Schöpfung ist der homo sapiens sapiens, wie es wissenschaftlich korrekt heißt, vermutlich eher nicht. Auch kein Schwein, wie der (charakterlich zweifelhafte, lyrisch große) Gottfried Benn vermutete....
Jahrhundertsängerin
Sie wusste, wann sie aufhören musste. 1973, im Alter von 51 Jahren, stand Renata Tebaldi als Desdemona in Verdis «Otello», einer ihrer Paraderollen, letztmalig auf der Bühne der Metropolitan Opera, jenem Haus, an dem sie 17 Jahre lang fast alle großen Sopranrollen gesungen hatte: Tosca, Violetta Valery, Aida, Amelia, Maddalena, Mimì, Manon...
