Tchi tchi, boum boum
Der Argwohn war groß, die Erleichterung noch größer. Fachfremde Berühmtheiten, die Opern zu inszenieren versuchen, fallen meist auf die Nase. Nicht so Christian Lacroix, einst gefeierter Couturier, heute gefragter Kostümbildner für die Bühne. Mit Offenbachs «La vie parisienne» an der Opéra de Rouen Normandie hat der 70-Jährige seinen Regie-Einstand magna cum laude bestanden. Lacroix’ Kostüme zünden erwartungsgemäß ein Feuerwerk an Vielfalt, Fantasie und Farbenfreude.
Sein Bühnenbild, eine Bahnhofshalle, die durch wenige Handgriffe zum bürgerlichen Salon oder zum festlichen Restaurant wird, ist ebenso funktional wie anspielungsreich: Sowohl die im Umbau befindliche Gare Saint-Lazare des ersten Akts als auch das geschmacklich grenzwertige Napoleon-III.-Interieur der Aufzüge drei und vier verweisen klar auf die Entstehungszeit des Werks, das am 31. Oktober 1866 aus der Taufe gehoben wurde.
Vor allem jedoch gibt Lacroix’ Personenführung dem Affen zwar Zucker, verfällt aber nur selten in jenen beifallheischenden Blödelton, der das sogenannte leichte zum seichten Genre entstellt. Gewiss, die halbnackten Muskelmänner (die man in jeder zweiten Inszenierung von Olivier Py findet) und die ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Marc Zitzmann
Katjas Schicksal vollzieht sich in klaustrophobischer Enge. Drei identische Räume werden 100 Minuten lang über die Bühne geschoben. Wenn die Handlung kulminiert, öffnen sich große Tore, durch die Nebel dringt. Ein Draußen gibt es nicht, jedenfalls kein sichtbares. Ein schlüssiger Ansatz, doch die dramaturgischen Verluste sind enorm. Schon als Hobby-Meteorologe kann...
Auch fünfzig Jahre nach Patrice Chéreaus grunderschütterndem Bayreuther «Ring» vermag Wagners Tetralogie noch zu verstören, zumal, wenn sie so illusionslos nüchtern in einer Ästhetik des Hässlichen daherkommt, wie jetzt in Stephan Kimmigs «Rheingold»-Neuinszenierung. Kimmig entzaubert die Szene, rückt den Figuren gleichsam mit dem psychischen Nacktscanner zu Leibe...
Der Theaterregisseur Vladislavs Nastavševs hat in der Oper schon debütiert. Seine Inszenierung von Bizets «Perlenfischern» auf der Kammerbühne des Bolschoi Theaters vor einem Jahr – die Handlung spielte in einem Probenraum – bestach durch ihre szenische Klarheit. Für das Diptychon aus Prokofjews «Maddalena» und Ravels «L’heure espagnole» scharte Nastavševs nun...
