Angst und Vernunft
Angst ist ein schlechter Ratgeber, heißt es. Tatsächlich kann sie besonnenes Nachdenken, Abwägen, Urteilen verhindern. Doch vergessen wir nicht, dass Angst der erste Ratgeber der Menschheit war. Mehr noch: Sie ist die Elementarform von Gedächtnis. Etwas als Gefahr wahrnehmen heißt: Es erinnert an schon Erlebtes. «So etwas soll mir nicht noch einmal passieren», sagt die Angst. Sie hat als gedächtnisgestützter Gefahrenvermeidungsmechanismus begonnen. Vernunft ist kaum mehr als in Umsicht und Urteilskraft übersetzte Angst.
Vor Covid-19 Angst zu haben, ist völlig vernünftig. Das Virus erinnert an sämtliche Epidemien, die es schon gab: von der Pest bis zur Influenza im vergangenen Jahr. Es macht bewusst, was wir allzu gern verdrängen: dass die uralte Seuchenanfälligkeit immer noch nicht überwunden ist – trotz aller Hochtechnologie. Coronaviren gibt es schon lange. Aber Covid-19 ist anders als die anderen: hoch infektiös, für etliche Prozent der Infizierten tödlich und in seinen Eigenschaften noch viel zu wenig bekannt. Gefahren, die keine fassbare Gestalt annehmen, sind besonders angsterregend. Daran ist nichts Irrationales.
Berechtigten Anlass zur Angst geben auch die gravierenden ...
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Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Focus Spezial, Seite 16
von Christoph Türcke
Der Satz ist Legende. Vielfach zitiert, je nach Kontext in dieser oder jener Weise gedeutet, von Dialektikern aufgrund seiner Wandelbarkeit hochgeschätzt. Und vielleicht hatte sein Autor genau dergleichen im Sinn, als er im 15. seiner Briefe «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» diese kunstvolle Formulierung zu Papier brachte: «Der Mensch spielt nur, wo er...
alpha
04.07. – 21:10 Uhr
Kathedralen der Kultur: Die Berliner Philharmonie
Anfang der 1960er-Jahre standen sich am Potsdamer Platz zwei Bauwerke als konkurrierende Visionen für die Zukunft gegenüber: die Berliner Philharmonie und die Berliner Mauer. Die Philharmonie galt als Zeichen der Offenheit und des Aufbruchs, die Berliner Mauer als Symbol der Angst und...
Es gebe, schreibt Maurice Maeterlinck einmal, «eine alltägliche Tragik, die viel wahrer und tiefer ist und unserem wahren Wesen weit mehr entspricht, als die Tragik der großen Abenteuer. Sie ist leicht zu empfinden, aber schwer darzustellen». Gabriel Fauré fand für diese Tragik des Alltags, für die Erschütterungen im äußeren Gleichmaß des Lebens, den unhörbaren...
