Poesie der Beiläufigkeit
Es gebe, schreibt Maurice Maeterlinck einmal, «eine alltägliche Tragik, die viel wahrer und tiefer ist und unserem wahren Wesen weit mehr entspricht, als die Tragik der großen Abenteuer. Sie ist leicht zu empfinden, aber schwer darzustellen». Gabriel Fauré fand für diese Tragik des Alltags, für die Erschütterungen im äußeren Gleichmaß des Lebens, den unhörbaren Schrei im Grau des Einerlei Mittel der Darstellung.
Nicht umsonst war sein Verhältnis zu Maeterlinck, der Faurés Bühnenmusik zu «Pelléas et Mélisande» für viel gelungener hielt als Claude Debussys Oper, beinahe freundschaftlich. Überhaupt war Fauré ein Musiker der Dichter. Iwan Turgenjew stand ihm als väterlicher Freund zur Seite, als Faurés Verlobung mit einer Tochter von Pauline Viardot sich zerschlug. Fauré selbst leistete Paul Verlaine Gesellschaft, als dessen Gesundheit schon völlig zerrüttet war. Robert de Montesquiou gefiel sich als literarischer Berater Faurés, und der junge Marcel Proust war ganz in seinem Bann.
«Fauré et ses poètes» – Fauré und seine Dichter – ist also ein sinnfälliger Titel für die CD des französischen Baritons Marc Mauillon und seiner Klavierpartnerin Anne Le Bozec. Sie ordnet 31 Lieder der ...
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Opernwelt Juli 2020
Rubrik: CD des Monats, Seite 33
von Jan Brachmann
Herr Beczała, stehen Sie gerade vor einem Fachwechsel?
Wechsel ist das falsche Wort, eher Erweiterung. Das passiert in meiner Karriere allerdings schon seit geraumer Zeit. Der Lohengrin etwa passt in dieses Muster. Auch «Un ballo in maschera» ist eine klare Vorbereitung für die nächsten Schritte. Und demnächst der Radames in «Aida».
Laut ihrer Webseite zählen...
Ferdinando Paër (1771-1839) komponierte als Dresdner Hofkapellmeister fast zeitgleich mit Beethoven eine «Leonora» und wurde kurz darauf von Napoleon nach Paris engagiert, wo er eine ansehnliche Karriere machte. Seine «Agnese», 1809 im Auftrag eines Privattheaters geschrieben und wohl von Dilettanten in Parma aus der Taufe gehoben, war in der Folgezeit auf allen...
Natürlich hat Goethes Theaterdirektor recht: «Die Masse könnt ihr nur durch Masse zwingen. Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen, und jeder geht zufrieden aus dem Haus.» In diesen unerfreulichen Zeiten hätte man freilich auch Lust, der Hochsprache des Dichterfürsten den phonetischen Kiezjargon Bora Dagtekins...
