Angst essen (russische) Seele auf
Im «Einheitlichen Staat» funktioniert alles reibungslos, nach mathematischen Prinzipien eingerichtet vom Großen Wohltäter. Die Menschen tragen Nummern und sind alle gleich. Für ihre «glücklichen Stunden» werden sie einander zugelost, sodass sie sich nicht mehr in Gefühle verstricken müssen. Dem Großen Wohltäter sind sie dafür so dankbar, dass sie ihn regelmäßig beim «einheitlichen Wählen» akklamieren. Nur wer Fantasie besitzt, sollte sich besser in Acht nehmen, könnte er doch so etwas Krankes wie eine «Seele» entwickeln.
Dann droht am Ende die saubere, unblutige «Auslöschung» …
1920, nur drei Jahre nach der Oktoberrevolution, entwarf der russische Schriftsteller Jewgeni Samjatin diese bitter-ironische Vision über den Staat, in dem er bis zu seiner Emigration nach Frankreich zu leben gezwungen sein würde. Dem Roman «Wir» wurde in der jungen Sowjetunion die zweifelhafte Ehre zuteil, als Erster verboten zu werden. Im Westen dagegen wurde er zur heutzutage leider viel zu wenig gelesenen Inspirationsquelle für die verblüffend ähnlichen Dystopien Aldous Huxleys und George Orwells.
Am Theater Regensburg steht der Chor mit Abständen in Reih und Glied: Haarlose, einheitlich eisgrau ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Michael Stallknecht
Frau Viise, wir haben Sie erstmals 2019 bei «BAM!», dem Berliner Festival für aktuelles Musiktheater in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz erlebt. Dort brachten Sie auf einer kleinen Bühne gerade stöhnend eine Plastikpuppe auf die Welt. Was war das für ein Projekt?
Das war ein Teil der 14-stündigen Version von «DOLLS», die am Kopenhagener Teater FÅR302 als ein...
Diese Frau. Wir kennen sie nicht. Und doch wissen wir instinktiv, wer sie ist, was mit ihr geschieht. Oder bereits geschehen ist? Ganz klar wird das nicht. Sichtbar sind nur jene Tränen, die in Zeitlupe erst über die linke, dann über die rechte Wange kullern. Und ihre Augen, die uns fixieren, über Minuten, und deren Ausdruck anmutet wie der flehentliche Versuch,...
Alpha
01.05. – 21.45 Uhr Salonen dirigiert Grieg und Sibelius Esa-Pekka Salonen dirigiert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Am Klavier: Alice Sara Ott.
02.05. – 22.15 Uhr Hitlers Bayreuth & Künstliche Intelligenz Der Vortrag von Anno Mungen, Lehrstuhlinhaber für Theaterwissenschaften an der Uni Bayreuth, fragt nach dem Verhältnis von Politik und...
