Angenehm: dramatisch
Aile Asszonyi fiel als dramatischer Sopran in den letzten Monaten unter anderem durch zwei herausragende Auftritte am Saarländischen Staatstheater auf. Als Turandot (OW 04/2022) schleuderte sie ihre tödlichen Flüche nur so heraus, ohne dabei die Bereiche des Schönklangs verlassen zu müssen. Noch im Fortissimo, mit dem sie sich mühelos über diverse Orchestertutti erhebt, kann sie Töne farblich verändern, sie sensitiv einhüllen oder ihnen dynamisch langsam den vokalen Lebenssaft entziehen. Keine undifferenzierte Schreierei, nirgends.
Als Wagners Isolde (OW 07/2022) lässt Asszonyi sich in Saarbrücken in eine für dieses Stück musikdramatischer Liebes- und Lebens-Ent-Atmung extrem verspielte Inszenierung einbinden. Turandot, Isolde: beides Rollendebüts. Und Brünnhilde wartet schon ab 2023/2024 in Saarbrücken auf die Sängerin, Mutter und Ehefrau (mit halbungarischen Wurzeln). Diese Partie hat sie dabei im Grunde schon länger drauf, aber die Pandemie kam dazwischen ...
Wir treffen Asszonyi in Kaiserslautern und laufen in der Nähe des Betzenbergs orientierungslos aber fröhlich durch eine Doppelhaushälftensiedlung. Am Abend wird sie wieder in Saarbrücken sein, zu einer Probe von «Tristan ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Porträt, Seite 56
von Arno Lücker
Hochzeitsglocken in der Wiener Staatsoper! Das heißt, genau genommen ist weniger Geläut zu vernehmen als vielmehr die Mutter aller Ouvertüren – diese allerdings schon beim Eintreffen des Publikums und aus diversen Richtungen. Blech und Trommeln schmettern und knattern die «Toccata» von der Hauptstiege herab: jene Gonzaga-Fanfare, geschaffen für den Herzog von...
Alles schwarz, so schwarz wie meine Kleider. Alles schwarz, ich seh‘ nichts andres, leider.» So sang die bekanntlich aus ehemaligen Thomanern bestehende Band «Die Prinzen» auf ihrem schönen Album «Schweine» aus dem Jahr 1995. In dem Song geht es, anders als die Worte es intendieren, überhaupt nicht um irgendeine «Schwarzmalerei» oder um «Krise». Doch wollen wir ja...
Des Straussen Richards Oscar-Wilde-Vertonung
Schrieb Erstgenannter kurz nach Fin de Siècle.
Sie spielt in dem Herodes seiner Wohnung,
Zur Bibelzeit, mit manchem Sex-Geschmäckle.
Herodes Tochter will kein Finger-Food!
Nein, nein, sie will den Typen aus dem Keller.
Doch der will nicht – sie krächzt vor Wut, will Blut.
Sie brüllt und sagt: «Okay, bringt einen...
