Anfang und Ende
In seinem autobiografischen Rückblick hat Carl Orff mit der ihm eigenen Nüchternheit über «Gisei» den Stab gebrochen und das Werk an den Beginn seiner «jugendlichen Schiffbrüche» gestellt. Was ihn 1913 bewog, den Einakter zu schreiben, war der Versuch, zwei Strömungen der Zeit – Debussys Revolutionierung der Musik und die Faszination durch das japanische Theater – zur Deckung zu bringen. Die Absicht, aus der krausen Vorlage ein europäisches Musikdrama herauszupressen, musste misslingen, weil fernöstliches Ritualtheater und freudianische Psychologisierung einander ausschließen.
Aufschlussreich ist die Stoffwahl vom Opfertod des japanischen Kindes allemal – «Gisei» ist das japanische Wort für Opfer –, weil sie zeigt, dass das Thema von Schuld und Sühne schon den jungen Orff umtrieb. Im Unterschied zum Menetekel der Menschheit im «Spiel vom Ende der Zeiten» geht es hier um eine individuelle Tragödie, bei der Matsuo und sein Weib Chiyo ihre Mitschuld am Tod des Kanzlers Michizane sühnen, indem sie ihr eigenes Kind dem Tod weihen, um so das Söhnchen des Ermordeten zu retten. Orff stand damals nicht nur im Banne Debussys, sondern auch Maeterlincks. Und so hat er dem kargen japanischen ...
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