Anderssein als Passionsspiel

Rihm: Jakob Lenz
MANNHEIM | NATIONALTHEATER

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Die Wahnsinnsgeschichte des Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz ist eine mehrfach überschriebene. Zum einen durch die historischen Dokumente über seine Flucht von der vergeblich geliebten, von Goethe – seinem Bruder im Geiste – ebenfalls angehimmelten Friederike Brion zu Pfarrer Johann Friedrich Oberlin in ein Vogesendorf und in die Abgründe seiner Seele. Zum anderen durch Georg Büchners Novelle über den Dichter.

Musikalisch schließlich durch Wolfgang Rihms 1979 uraufgeführte Kammeroper «Jakob Lenz» und aktuell deren szenische Umsetzung durch den bekennenden Lenz-Verehrer Calixto Bieito am Nationaltheater Mannheim. Eine eindringlich bildnerische Überschreibung ist hier schon die Bühneninstallation von Anna-Sofia Kirsch. Ein Podium mit einem kahl entlaubten Winterwald für das elfköpfige Ensemble des Nationaltheater-Orchesters. Ein Kälteraum par excellence gegen die erhitzte Leidenschaft der Dichterfigur. Aus diesem Klangwald singen die von ihm imaginierten Stimmen der Erwachsenen und Kinder als Chor wie in einem Passionsdrama oder einer antiken Tragödie auf den vor dem Podium agierenden Lenz.

Bieto nimmt mit seiner Personenregie die textlichen und musikalischen Anspielungen auf ...

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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Bernd Künzig

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