Amelias Abend

Duisburg, Verdi: Un ballo in maschera

Opernwelt - Logo

Maskierungen und Verschleierungen auf der Opernbühne scheinen oft ein Fall für die Humorforschung. Bisweilen wirken die Figuren seltsam begriffsstutzig: Geht eine Frau neben einem Mann, und weil sie sich abwendet, merkt er nicht, dass es die eigene ist. Bei ­einem Maskenball hingegen fischen zwei Liebende ­einander so schnell aus dem Pulk, als hätten sie sich ein (für andere unsichtbares) Herz auf die Stirn geklebt. Das ist zwar schreiend unrealistisch, doch für die Binnenlogik des Theaters handelt es sich um eine lustig deformierte Wirklichkeit.


Humorvoll lässt sich auch der erste Akt der Neuinszenierung von Verdis «Maskenball» im Duisburger Haus der Deutschen Oper am Rhein an. König Gustavo tanzt über Sitzecken wie ein Aristokrat, der sich selbst den Hampelmann erlaubt. Atze Schröder, blaublütig. Wäh­rend die Verschwörer hinten in grauen Anzügen (Tine Schwab) herumstehen, trägt der Monarch gelb-blaue Morgenkluft. Wir befinden uns also in Schweden, wo Verdi seinen «Ballo in maschera» ursprünglich ansiedelte, bis die Zensur eine Verlegung der Handlung nach Boston erzwang. Regisseur Stein Winge lässt diesen Weg nach Neu-England, wo aus dem König ein Gou­verneur wurde, im Bühnenbild ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2007
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Wolfram Goertz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fest der Stimmen

Zugegeben, es sieht gut aus, was Ausstatter Denis Krief auf die Bühne des Staatstheaters Karlsruhe wuchtet. Zugegeben, die Personenführung in der «Götterdämmerung» hat der Regisseur gleichen Namens am sorgfältigsten ausgearbeitet. Trotzdem wird man mit diesem «Ring» szenisch nicht glücklich. Natürlich stellt Krief optische Bezüge zu den vorhergehenden Teilen der...

Lortzing: Undine

Wenn in Claudia Doderers Inszenierung von Lortzings Zauberoper «Undine» am Ende die Wassergeister eine Menschen­hochzeit stören, dann wanken sie hinter einem durchsichtigen Schleier wie weich umflutete Schlingpflanzen. Da spürt man die Personalunion von Regisseurin und Ausstatterin, die sich nicht nur einen fein von unten schimmernden Boden gebaut hat, sondern auch...

Pracht und Intimität

Benjamin Brittens «Gloriana» ist seine wohl am meisten unterschätzte und am seltens­ten aufgeführte Oper. Dabei ist dieses zugleich prachtvolle und intime, von äußerem Glanz und privatem Scheitern erzählende Stück über die alternde Königin Elizabeth I., komponiert zwischen «Billy Budd» und «The Turn of the Screw» zur Inthronisation von Elizabeth II. (1953), eines...