Vision oder Häppchen?

Das neue Berliner «Radialsystem V» verspricht experimentelle ­Kombinationen von Tanz- und Musiktheater

Opernwelt - Logo

Draußen, auf der anderen Seite der Durchgangsstraße, glänzt die Fassade des Ostbahnhofs. Drinnen im Foyer strahlt Neonlicht. Es weht einen kühl an, wenn man das neue «Radialsystem V» an der Spree betritt. Das Publikum erscheint größtenteils im schwarzen Büroanzug – zwar nicht auf den ganz großen Stil, doch spürbar auf den besonderen, auch exklusiven Kulturkonsum bedacht.

Die Plattenbaubewohner von Berlins östlicher Mitte, deren Siedlungen als Einzige in Sichtweite sind, dürften auf das «Dialogische Prinzip», mit dem das Radialsystem «Offenheit statt Abgrenzung» verspricht, nicht anspringen – dafür sind die Karten zu teuer. Doch das Haus mit einem künstlerischen Kuratorium unter Leitung der Choreografin Sasha Waltz versteht sich mehr als Raum fürs partikulare ästhetische Experiment zwischen Musik- und Tanztheater, weniger als Ort hochkultureller Breitenversorgung – und braucht als «Radialsystem V GmbH» mit privater Trägerschaft (und partieller Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes) keine Alibiveranstaltungen, um an den Inhalt des arg belagerten Berliner Kulturtopfes zu gelangen.
Die riesige Halle in dem alten Pumpwerk aus der Bismarckzeit verleugnet ihre ursprüngliche Funktion ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2007
Rubrik: Magazin, Seite 25
von Matthias Nöther

Vergriffen
Weitere Beiträge
Biblische Parabel

Eigentlich sollte der Januar beim Staatstheater Kassel ein opernloser Monat sein, denn das provisorische «Kuppeltheater» auf dem Friedrichsplatz schloss an Silvester seine Tore, das renovierte Opernhaus aber wird erst am 3. Februar mit «Tristan und Isolde» wiedereröffnet. Doch musste das Publikum nicht auf Musiktheater verzichten. Denn die gotische Brüderkirche,...

Strauss: Ariadne auf Naxos

Von wegen «wüste Insel»! Zürichs mythisches Naxos liegt gleich um die Ecke vom Opernhaus. Es ist die legendäre Speisegaststätte Kronenhalle. Christian Schmidt hat sie einfach auf der Zürcher Opernbühne nachgebaut. Auf eine Verwandlung mehr oder weniger kommt es in Strauss’ verwandlungsreicher «Ariadne» nun wirklich nicht an. Auch der Haushofmeister hat sich hier in...

Humperdincks «Hänsel und Gretel» in Dresden

Die «Hänsel und Gretel»-Inszenierung von Katharina Thalbach war zunächst als zuckersüßes Vorweihnachtsvergnügen angelegt. Die fantasievoll-üppigen Bilder Ezio Toffuluttis ­boten einen veritablen Augenschmaus, den man harmlos nennen kann, der das Opern­erlebnis aber durchaus intensivierte. Überzeugend geriet dann jedoch die Balance zwischen dieser gefälligen Seite...