Am Scheideweg
Das Rossini-Festival, das seit 1989 alljährlich im Schwarzwaldkurort Bad Wildbad stattfindet, hat sich in den zwanzig Jahren seines Bestehens zu einem Geheimtipp unter Belcanto-Liebhabern gemausert und kann, jedenfalls in musikalischer Hinsicht, durchaus mit den größeren Festspielen in Rossinis Geburtsort Pesaro mithalten. Zwar lassen die örtlichen Gegebenheiten – das behelfsmäßig als Theater genutzte Kurhaus und das kleine, gerade einhundertfünfzig Zuschauer fassende gründerzeitliche Kurtheater – keine weiten Sprünge zu.
Umso überzeugender ist die Programmkonzeption des Intendanten Joachim Schönleber, sich auf unbekannte oder selten gespielte Opern Rossinis zu konzentrieren und diese durch Raritäten von Vorläufern oder Zeitgenossen des Namenspatrons zu ergänzen.
Im Jubiläumsjahr fiel die Wahl auf Rossinis erst durch Verdi ins Abseits gedrängten «Otello» sowie die Uraufführung von Giovanni Pacinis «Don Giovanni». Ergänzt wurde das Programm durch die konzertante Festaufführung von Rossinis populärer Buffa «L’italiana in Algeri» unter der Leitung Alberto Zeddas sowie ein Festkonzert, für das Wolfgang Rihm Rossinis «Edipo a Colonno» mit einer Neukomposition zum «Ödipus auf Kolonnos» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die nicht zum Bayreuther Kanon zählenden Frühwerke Wagners sind in den Vereinigten Staaten nie auf einen grünen Zweig gekommen. «Rienzi» hatte während der ersten Welle der amerikanischen Wagner-Begeisterung (1886-1890) eine kurze Blütezeit an der Met, danach ist das Stück kaum mehr gespielt worden. Die New York City Opera präsentierte 1982 in halbszenischen...
Ist’s ein Engel? Glaubt man Wolfram, der das Wort späterhin im «Tannhäuser» benutzt, um seinen abtrünnigen Sangesbruder Heinrich zu retten, müsste man es annehmen. Doch ein Engel würde wohl kaum die «allmächtige Jungfrau» bemühen, um seine zerrüttete Seele in die nötige Balance zu bringen. Und eben dies tut Elisabeth, kaum ist der Chor der Pilger vorübergezogen, in...
Geiz ist doch geil! Bei seiner Inszenierung von François Boieldieus «Die weiße Dame» spart Axel Köhler ein Drittel der schottischen Schauerkomödie – und tut damit das einzig Richtige. Um die 1825 uraufgeführte opéra comique für das Publikum von 2008 zu retten, muss man rigoros in Libretto und Partitur eingreifen. Also ersetzt der als Countertenor wie Regisseur...
