Alte Schule
«Mein Herz ist launenhaft geworden, doch jetzt fühle ich mich sehr gut.» Da lag der Vorfall bereits einige Wochen zurück: Im Februar dieses Jahres war Riccardo Muti bei einer Probe mit seinem Chicago Symphony Orchestra zusammengebrochen. Die Diagnose: Herzrhythmusstörungen, Kieferbruch. Die Musikwelt reagierte auch deshalb geschockt, weil sie den Neapolitaner ganz anders kennt – als sehnigen Pult-Star, der mit bis in die letzte Nervenfaser gespannter Haltung seine Orchester befehligt.
Riccardo Muti ist der letzte Maestro alter Schule. Ein gebieterischer Kontrollator.
Ein Dirigent der souveränen, nicht uneitlen Pose. Ein kristallklarer Techniker, dessen genauer Schlag bei Sängern und Instrumentalisten beliebt ist (auch wenn sie von dem Italiener stets an der kurzen Leine gehalten werden). Ein genuiner Opernmann, der besonders bei Verdi enorme, stets perfekt kanalisierte Energien freisetzt. Und ein Partiturenkenner, der den Stars ihre Extravaganzen nicht gönnt: Salvatore Licitra etwa wurde das hohe C in Manricos Stretta verweigert – zum Entsetzen der Scala-Besucher.
Obgleich er Mailands Opernhaus 2005 im Zwist und nach fast zwei Jahrzehnten als Musikdirektor verließ, wird Riccardo ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Markus Thiel
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