Alleskönner
Von Rameau über Mozart und Debussy bis zu Philippe Boesmans und George Benjamin – der französische Bariton Stéphane Degout ist auf der Opernbühne ein Alleskönner. Er beeindruckt, wie seine jüngsten Aufnahmen von Berlioz’ «Les Nuits d’été» oder von Debussy-Liedern demonstrieren, aber auch als überragender Liedersänger. Jetzt überrascht er mit Balladen der deutschen Romantik, greift kühn zu bekanntesten Stücken von Loewe, Schubert, Schumann und Wolf und besteht die Herausforderung glänzend.
Degout, nicht zuletzt das unterstreicht den Anspruch seines Singens, wird der im Booklet zitierten Äußerung Goethes aus dem Jahr 1821 gerecht: «Das Geheimnisvolle der Ballade entspringt aus der Vortragsweise.» Musikalisch ist er mit seiner voluminösen, in allen Registern mühelos geführten Stimme, die ein wenig an die des jungen Matthias Goerne erinnert, allen Anforderungen des balladesken Tons gewachsen, der – worauf Goethe hier anspielt – gleichermaßen ins Lyrische, Epische wie Dramatische ausgreift. Und sprachlich bedarf er keiner Nachsicht, so nuanciert und farbenreich, aber ohne die gefährliche Überemphase des Verbalen, deklamiert er die deutschen Texte. Prägnant heben sich etwa in ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Uwe Schweikert
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