Alleskönner
Von Rameau über Mozart und Debussy bis zu Philippe Boesmans und George Benjamin – der französische Bariton Stéphane Degout ist auf der Opernbühne ein Alleskönner. Er beeindruckt, wie seine jüngsten Aufnahmen von Berlioz’ «Les Nuits d’été» oder von Debussy-Liedern demonstrieren, aber auch als überragender Liedersänger. Jetzt überrascht er mit Balladen der deutschen Romantik, greift kühn zu bekanntesten Stücken von Loewe, Schubert, Schumann und Wolf und besteht die Herausforderung glänzend.
Degout, nicht zuletzt das unterstreicht den Anspruch seines Singens, wird der im Booklet zitierten Äußerung Goethes aus dem Jahr 1821 gerecht: «Das Geheimnisvolle der Ballade entspringt aus der Vortragsweise.» Musikalisch ist er mit seiner voluminösen, in allen Registern mühelos geführten Stimme, die ein wenig an die des jungen Matthias Goerne erinnert, allen Anforderungen des balladesken Tons gewachsen, der – worauf Goethe hier anspielt – gleichermaßen ins Lyrische, Epische wie Dramatische ausgreift. Und sprachlich bedarf er keiner Nachsicht, so nuanciert und farbenreich, aber ohne die gefährliche Überemphase des Verbalen, deklamiert er die deutschen Texte. Prägnant heben sich etwa in ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Uwe Schweikert
Im Juni 2019 gab das Teatro Regio in Turin die kommende Spielzeit vor einer Kulisse internen Chaos bekannt. William Graziosi, umstrittener Intendant des Hauses, wurde von den eigenen Mitarbeitern mit einem Buh-Sturm überzogen, während Artistic Director Alessandro Galoppini tosenden Jubel erntete, als er das Programm im Einzelnen vorstellte. Gegenüber Journalisten...
Am 1. März, bei der «Winterreise»-Premiere im Stuttgarter Opernhaus, winkte Helmut Nanz fröhlich über die Parkettreihen hinweg Freunden und Bekannten zu. Am Vormittag des 11. März verkündeten die Staatstheater Stuttgart die vorübergehende Einstellung des Spielbetriebs. Am 15. April erlag Nanz im Alter von 76 Jahren der Covid-19-Krankheit. In der Stuttgarter...
Sehr knapp war das. Während sämtliche Juni- und August-Konzerte der Schubertiade dasselbe Schicksal ereilte wie gefühlt 99 Prozent aller Konzerte, sollte an drei Juli-Tagen im Markus-Sittikus-Saal zu Hohenems wenigstens der Nachwuchs zum Zuge kommen. «Neue Stimmen», das mag ein Nebenprogramm vor weniger Zuhörern sein, aber immerhin: Schauplatz ist das Lied-Mekka...
