Alles oder nichts

Zuletzt machte sie als Marie in Donizettis «La Fille du Régiment» Furore: Natalie Dessay. Im Gespräch mit Gerhard Persché verrät die französische Sopranistin, was sie von Oper als ­Entertainment hält und was sie unter der Wahrheit des Theaters versteht.

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Frau Dessay, Sie scheinen sich Ihre Bühnenrollen überzuziehen wie eine zweite Haut. Wie sehr identifizieren Sie sich mit ihnen?
Auf der Bühne völlig. Aber sonst sind Bühne und Realität für mich zwei sehr unterschiedliche Welten.
 
Sie nehmen die Figur also nicht mit nach Hause?
Nein, überhaupt nicht. Im Moment, wo ich von der Bühne herunterkomme, bin ich wieder ganz ich selbst. Es ist ein biss-chen Schizophrenie, Jekyll und Hyde, wenn Sie so wollen.

Meine jeweilige Bühnenpersönlichkeit hat wenig mit der im wirklichen Leben zu tun.

Die Marie in «La Fille du Régiment» ­schien aber sehr viel mit Ihnen zu tun zu haben, wie auch – pars pro toto - die Zerbinetta, die Offenbach-Euridice oder die Ophélie in Thomas’ «Hamlet». Jeweils ganz anders, aber doch immer wieder ganz Dessay.
Natürlich versuche ich immer herauszufinden, was ich von mir persönlich in eine Rolle hineinnehmen kann. Bei Ophélie wusste ich genau, was Liebesleid ist; bei der Marie erinnerte ich mich, wie ich als junges Mädchen war, oder ich ließ mich von meiner Tochter inspirieren.

Wie viel ist Spontaneität, wie viel Kontrolle?
Das kommt darauf an. Wenn etwas wirklich schwierig zu singen ist, muss man mehr Kontrolle haben. Die ...

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Opernwelt August 2007
Rubrik: Interview, Seite 36
von Gerhard Persché

Vergriffen
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