Alles nur Kino

Jossi Wieler und Sergio Morabito neutralisieren in Genf Meyerbeers «Hugenotten», an der Rampe machen fulminante Solisten aus dem Fünfakter ein Sängerfest

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Phänomenal! In Genf singt sich John Osborn als Raoul in «Les Huguenots» in die schmale Riege herausragender Meyerbeer-Tenöre – der Vergleich mit dem vor drei Jahren verstorbenen Nicolai Gedda ist nicht zu hoch gegriffen. Schon in der ersten Romanze gibt Osborn dem Affen Zucker und findet gleichzeitig himmlische Piani mit feinster Messa di voce. Über drei Stunden später stürzt er sich mit einer martialischen Cabaletta in den Kampf, ohne dass auch nur ein Hauch von Müdigkeit zu hören wäre.

Vor neun Jahren in Brüssel war der Tenor aus Sioux City noch die Zweitbesetzung für diese mörderische Rolle. Diesmal setzt er Maßstäbe, gerade auch in der nuancierten Sprachgestaltung, als wäre Französisch seine Muttersprache. Die Regie fokussiert auf die Karikatur eines tumben Landadligen, der durch sein Schicksal stolpert. Das ist in Scribes Libretto sehr deutlich angelegt, wird in Genf – mit Raouls zu großem Jackett – fast überzeichnet. Doch Osborn findet mit diesen Vorgaben zu einer sehr eindringlichen schauspielerischen Leistung.

Die Figur des Raoul gehört zu den wenigen überzeugenden Elementen in Jossi Wielers und Sergio Morabitos Inszenierung. Offensichtlich hat sich das Stuttgarter Tandem ...

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Opernwelt April 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Anselm Gerhard

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