Alles Nostalgie?
I. Der Alidoro von Caracas
Womit beginnen? Mit der poetischen Besinnlichkeit der Eröffnungsrede von José Antonio Abreu, dem Alidoro von Caracas, dessen Sistema die Aschenputtel aus den venezolanischen Slums zu musikalischen Prinzen und Prinzessinnen machte? Das Youth Orchestra of Caracas ist ein wundersames Beispiel dafür; beim Eröffnungsakt lässt es die Instrumente tanzen und das Publikum jauchzen.
«Wenn die künstlerische Erziehung nicht mehr peripher bleibt, sondern ins Zentrum des Erziehungswesens rückt, wird die materielle Armut durch die Kunst in geistigen Reichtum verwandelt...», formuliert Abreu. Rettung der Gesellschaft durch die Kunst? Wagner hat davon geträumt, Hofmannsthal auch. In Venezuela erscheint sie als konkrete Utopie.
Apropos: Regisseure, so der Eindruck dieser ersten Opernstaffel der diesjährigen Salzburger Festspiele, scheinen der Auseinandersetzung mit einer unheimlichen Wirklichkeit müde zu sein. Stefan Herheim bei «Die Meistersinger von Nürnberg» und Damiano Michieletto bei «Falstaff» ziehen sich auf ähnliche Weise nostalgisch in die Innerlichkeit zurück, rekurrieren auf den Traum als eigentliche Realität. Und Alvis Hermanis beschwört bei Birtwistles ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard Persché
Herr Sabadus, wo ist der erste Teil Ihres ursprünglichen Namens Barna-Sabadus geblieben?
Weg ist er. Das Label hat es so gewollt. Die Agentur auch. Barna – so heißt mein Vater, der unter diesem Namen adoptiert worden war. Ich denke: besser der Name kastriert als die Stimme.
Keine Sorge, Ihre Stimme klingt ganz und gar nicht kastriert. Obwohl es heute immer mehr...
54. Jahrgang, Nr 9/10
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag - Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752259
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61, 10719 Berlin
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E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 14.08.2013
Redaktion:
Stephan Mösch (V. i. S. d. P.)
Albrecht...
Es gibt ein Nachspiel. Da steht der Regisseur Frank Castorf im Buhgewitter vor dem Vorhang des Bayreuther Festspielhauses und steht und steht. Er will einfach nicht abgehen, schaut auf die Uhr, schaut auf die wütende Menge, zeigt ihr den Vogel. Will er etwas sagen? Das Publikum will es jedenfalls nicht hören. Immerhin hatte Castorf sechzehn Stunden Zeit, alles zum...
