Alles eine Frage des Maßes
Unser Georg. Unser Theater. Unsere Hofkapelle. Die Wolken hängen tief über Meiningen, die Luft ist feucht, Nieselregen, Graupelschauer. Auf dem Markt wummert Volksmusik, es riecht nach Glühwein und frisch geschlagenen Tannen. In der Ratsstube ist die Küche bereits «aus», aber hinter den Christbäumen gibt’s noch was, beim Italiener im «La voglia». Die Zahl der Gäste bleibt dort so überschaubar wie im Salon des Ernestiner Hofs, wo ein Klavierspieler für ein paar bei Kaffee und Kuchen plaudernde Senioren «Bridge Over Troubled Water» klimpert.
Gleich um die Ecke steht die Elisabethenburg, bis 1920 Residenz der Herzöge von Sachsen-Meiningen, heute Museum. Alles dicht, alles dunkel. Nur die «Zauberwelt der Kulisse» hat noch auf an diesem Sonntagnachmittag im Dezember, drüben in der ehemaligen Reithalle. Sechs Besucher kann der freundliche Herr vom Theatermuseum zur letzten Vorführung des vielteiligen historischen Prospekts begrüßen, den die Bühnenmaler Brückner aus Coburg 1876 für eine Inszenierung des Kleist’schen «Käthchen von Heilbronn» lieferten. Die Entwürfe stammten von Georg II., dem theatersüchtigen Regenten. Unser Georg hat das Regietheater erfunden, sagt der Mann vom Museum. ...
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Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Albrecht Thiemann
Der Theatertod geht um. Wie an vielen mittleren und kleineren Häusern hat auch in Bonn das Theater mit finanziellen Kürzungen zu kämpfen, die seine Existenz bedrohen. Nachdem der städtische Zuschuss zwischen 2000 und 2010 bereits von 41,1 Millionen auf 25,7 Millionen Euro abgesenkt worden war, kürzt die Stadt die Subventionen ab 2013 nochmals um 3,5 Millionen Euro...
Opernaufführungen in bourgeoisem Ambiente anzusiedeln – vorzugsweise in Treppenhäusern bürgerlicher Villen – scheint en vogue. Claus Guth hielt dies schon öfter so, bei seinem «Fliegenden Holländer» in Bayreuth beispielsweise oder beim Salzburger «Figaro». Auch Mariame Clément verortete Rameaus «Castor et Pollux» in ähnlichem Ambiente, suchte den Dioskuren-Mythos...
Im Mai 2010 wurde sie wie ein Staatsakt gefeiert – die Wiedereröffnung des Teatro Colón in Buenos Aires. Doch schon kurz nach dem weltweit beachteten Paukenschlag breitete sich am größten und bekanntesten Opernhaus Südamerikas wieder jener lähmende Krämergeist aus, der einen nachhaltigen künstlerischen Aufschwung blockiert. Schon Ende 2010 warfen Streiks alle Pläne...
