Alleluja!
Wie der Tag des Jüngsten Gerichts klingen könnte? Er könnte so klingen wie in der Motette «In furore iustissimae irae» von Antonio Vivaldi: herb, heftig, markerschütternd. Gleich die erste Arie lässt – aus gegebenem Anlass für Altstimme transponiert – keinen Zweifel daran: Gott zürnt dem Menschen, weil dieser ein Sünder ist, der sich einfach nicht bessern will.
Und was macht der Beklagte? Er singt verzweifelt gegen seine Verdammung an, sich seiner Mangelhaftigkeit wohl bewusst: «Quando potes me reum punire / Ipsum crimen te gerit clementem», zu Deutsch: «Da Du mich als Sünder strafen kannst, / Zeigt Dich selbst meine Schuld barmherzig.» Der Mensch, er ist in größter Not. Und wenn man Carlo Vistoli an der Seite der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung ihres Konzertmeisters Georg Kallweit mit diesem Allegro hört, gibt es eigentlich kein Halten mehr – so gestochen scharf, fast ruppig und knackig (ja, und auch perlenglänzend) sind die Koloraturen des Countertenors, so akzentuiert, plastisch, markant ist der Orchesterklang.
«Sacro furore» heißt, völlig zu Recht, das Album mit Werken Vivaldis. Und immer wieder aufs Neue ist man frappiert, wie vielfältig und wie differenziert ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Medien, Seite 24
von Jürgen Otten
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