Kontrollverlust

«The Last Night of the World» von Agustí Charles

Opernwelt - Logo

ZUKUNFTSMUSIK
Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.

What would you do if you knew that this was the last night of the world?» Diese Frage steht im Mittelpunkt der Kammeroper des katalanischen Komponisten Agustí Charles und seines Librettisten Marc Rosich. Sie stellt die Essenz des Stücks dar und appelliert an die wirklich «wichtigen Dinge» dieses und allen potenziellen Lebens. Denn ein Traum kündigt das Ende der Welt an. Sieben Paare suchen ihren Weg durch den letzten Abend der Erde. Sie durchleben Gefühle der Verdrängung, des Haderns, der Furcht, Hoffnung, Wut, Resilienz und Akzeptanz.

Doch nicht nur die Charaktere des Stücks fordert die Fokussierung auf das «Wichtige», die Demut vor dem Leben, vor der Natur und die Wahrung unserer Grenzen heraus. Auch das Publikum wird aufgefordert, sich und das urmenschliche Streben zu hinterfragen, das uns immer höher und weitertrieb, beflügelt von dem Verlangen nach Einfluss und Kontrolle. So wird in dem Auftragswerk für das Staatstheater Augsburg nicht nur Ray Bradburys gleichnamige Kurzgeschichte als Oper verarbeitet, sondern auch zahlreiche Motive aus weiteren seiner dystopischen Werke wurden in das Stück eingeflochten. Anhand der Figuren spannt Jorinde Keesmaat exemplarisch ein Kaleidoskop ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Tamara Yasmin Quick

Weitere Beiträge
Für Kleine gemacht, aber groß gedacht

Kinderoper, so kann man wohl sagen, ist die härteste Disziplin im Opernhandwerk. Alles, was eigentlich auch der erwachsene Zuschauer will: Verständlichkeit, Überraschung, Humor, Poesie – hier muss es unbedingt geliefert werden, sonst verliert man einen ganzen Saal. Dann wird mit Programmheften geraschelt, gequängelt, gequatscht und gestöhnt. An der Komischen Oper...

Erlösung gibt's hier keine

Stimmlich haben sich hier zwei gefunden: Seunghee Kho als Violetta Valery und Sung Min Song als Alfredo Germont geben, obschon beide eigentlich keine idealen Vertreter des Bel Canto, musikalisch ein prächtiges Paar ab. Eine exzellente Abstimmung mit dem Orchester hilft ihnen überdies; die Interimsspielstätte «Oper am Luisenpark» verfügt über eine schöne Balance...

Spielpläne 1/25

ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten P = Premiere UA = Uraufführung

Aachen
Theater Aachen

www.theateraachen.de 
- Mozart, Die Zauberflöte: 10., 22., 24.
- nach Purcell, The Indian Queens: 12., 19.

Altenburg/Gera
Theater Altenburg Gera

https://theater-altenburg-gera.de 
- Wagner, Der fliegende Holländer: 3....