Albtraum, logisch

Schostakowitsch: Die Nase in Brüssel

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Nach ausgiebiger Frühmasturbation muss der Major Kovaljov, hier ein Politiker mit Machtinstinkt, feststellen, dass ihm seine Nase abhandengekommen ist, die bis dahin als prächtiger Pinocchio-Zinken aus seinem Gesicht geragt hatte.

In Gogols köstlicher Nasen-Novelle, Dokument eines Surrealismus vor der Erfindung des Surrealismus, führt nun die Suche nach dem prominenten Körperteil quer durch die Petersburger Gesellschaft, die bevölkert ist von Kollegienassessoren, Kreisgeometern, Regimentsärzten, Lakaien, Backenbärten aller Arten, Bürovorstehern, Annoncenredakteuren und natürlich jeder Menge Polizei. Es geht in die Kasaner Kathedrale, wo die Nase, aufgeblasen zum Staatsrat, nichts davon wissen will, an ihren natürlichen Platz zurückzukehren, dann an die Newa und zum Newski-Prospekt; wir erfahren die erheblichen Nöte eines Mannes ohne Nase.

Er könnte einem leidtun, dieser K. In Brüssel, wo Àlex Ollés vor Jahren schon in Kopenhagen gezeigte «Nase» jetzt noch einmal läuft, hält sich das Mitleid allerdings in Grenzen. Überhaupt schauen wir in eine mitleid- und gnadenlose Welt irgendwo zwischen Gegenwart und Postapokalypse, hier sind alle gewaltig heruntergekommen, divers deformiert, ...

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Opernwelt August 2023
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Holger Noltze

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