Aktenzeichen Aufklärung, ungelöst
Fast möchte man Sandra Leupolds grandios durchgearbeitete Bühnenerzählung mit dem Titel «Histoire du soldat» versehen: So machtvoll und eindeutig in seiner Schwäche und Verletzlichkeit stand Max noch selten im Zentrum einer «Freischütz»-Interpretation. Wie die Figur von Ramuz und Strawinsky hat er sich teuflischer Übermächte zu erwehren, mehr aber noch von den hierarchischen Instanzen und Verhältnissen zu erdulden, die ihm, dem vom Schießglück Verlassenen, schon anfangs nicht mit gutmütigem Spott, sondern mit giftigem Hohn bis hin zu tätlichen Angriffen begegnen.
Max, vom Typus her hier ganz der erniedrigte und beleidigte Wozzeck, empfindet den Druck von außen als eine Kakophonie «innerer Stimmen» – zum Spottchor mit seinen jähen Lichtwechseln bewegt er stumm die Lippen, indem die Menge aus dem Dunkel heraus seine Ängste anheizt; ähnlich Kaspars internalisierte Fremdbestimmtheit später in der Wolfsschlucht. Er ist von Beginn an ein nicht so sehr zweifelhafter wie aussichtsloser Hochzeiter: Alexander Geller, schmal und aufgeschossen, dabei stimmlich mit einem Reichtum an Farben, Nuancen und Expressionen, der das scheinbar dumpf Getriebene der pointierten Darstellung faszinierend zu ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Hans-Klaus Jungheinrich
«Manon Lescaut» stand lange Zeit im Schatten der unverwüstlichen Schlachtrösser aus Puccinis Werkstatt. Das hat sich in den letzten Jahren geändert, wie zahlreiche ambitionierte Produktionen zeigten. In Italien gab es im März «Manon Lescaut» gleich in vier verschiedenen Inszenierungen – Gelegenheit für eine Momentaufnahme.
Zunächst scheinen die Produktionen kaum...
Manchmal, meist unerwartet, passiert das. Die Welt hält inne. Hört nur noch nach innen, lauscht dem feinen Wispern der Seelen, das der Lärm draußen für gewöhnlich übertönt. Das fis-Moll-Duett «Io t’abbraccio» könnte ein solcher Moment sein. Kaum ein Stück Händels ist derart zerbrechlich wie dieses «Larghetto». So berührend schön in seinem Schmerz. Zwei Liebende...
Strauss? Ist das nicht der mit den Neujahrskonzerten? Schön, dass bei uns jetzt eine Oper von dem gemacht wird. «Ariadne auf Naxos»? Gab’s noch nie in Bodø. Wo, bitte schön? Na, oben in Nordland, zwischen Saltfjorden und Landegodefjorden. Bis zum Polarkreis rauf und dann noch mal 120 Kilometer Luftlinie.
Nicht nur für den Lokalreporter aus der abgelegenen...
