Weiter leben
Neun Meter, das ist viel. Zu viel. Man bräuchte den Hals einer Giraffe, um ganz bis nach oben zu gelangen, und selbst dann wäre es noch schwierig, den Gipfel dieser Vitrine zu erklimmen, über 90 Bibelbilder hinweg. So also bleibt in der gotischen Kreuzkirche der beeindruckte Blick hinauf zur Spitze des berühmten Zittauer Fastentuches, vollendet anno Domini 1472 (und vor anderthalb Jahren faszinierend detailliert auf Leinwand gebannt durch den österreichischen Dokumentarfilmer Bernhard Sallmann).
Doch der Kunstschatz ist nicht die einzige geschichtsträchtige Preziose in der einst florierenden Textil- und Fahrzeugbaustadt im östlichsten Zipfel der Bundesrepublik. Im nahe gelegenen Cunewalde gibt es eine riesige evangelische Dorfkirche, im Stadtzentrum die Hauptkirche Sankt Johannis, die kein Geringerer als Schinkel erbaute (1837).
Alles sehr schön. Wäre da nur nicht die Gegenwart. Und die ist auch an diesem Samstagabend Mitte März ein wenig eingetrübt. Zumindest im Gerhart-Hauptmann-Theater, Nebenstelle Zittau. Von Premierenfieber keine Spur. Die Stimmung im schütter besetzten Foyer ist so wie das Licht: gedämpft. Euphorie sieht anders aus, auch später im Saal, der nicht einmal zur ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Jürgen Otten
JUBILARE
Philippe Herreweghe kam 1947 in Gent zur Welt und absolvierte sein Abitur am örtlichen Jesuitenkolleg. Danach studierte er am Konservatorium seiner Heimatstadt bei Marcel Gazelle (Klavier), Johan Huys (Cembalo) und Gabriel Verschraegen (Orgel). Der musikalischen Ausbildung schloss sich eine wissenschaftliche in den Fächern Medizin und Psychiatrie an. 1970...
Albrecht Puhlmann setzt gleich im ersten Jahr seiner Intendanz kräftige neue Akzente am Nationaltheater. Nach Händels «Hercules», einer Revue von Mischa Spoliansky und einem szenischen Liederabend hatte jetzt Monteverdis «Ulisse» (als Mannheimer Erstaufführung!) Premiere. Das musikalische Drama um den antiken Kriegsheimkehrer beginnt furios mit dem Prolog der...
Kann Oper eigentlich cool sein? Kann der überhöhte und überhöhende Tonfall des «unmöglichen Kunstwerks» (Oscar Bie) die gewollte Lässigkeit und rotzige Lakonie Heranwachsender einfangen? Oder ist Oper – zumindest in ihrer traditionellen Spielart mit klassisch ausgebildeten, gestützten und vibrierenden Stimmen – nicht tatsächlich das schiere Gegenteil von cool?...
