Ach!
Der Doktor öffnet das große, geheimnisvolle, in Leder gebundene Buch. Er weiß, was da vor ihm liegt und wohin es ihn führen wird: zur Macht, zur Erkenntnis, zum Teufel. Doch das Buch ist Tarnung. Statt Zauberformeln birgt es einen Laptop, mit dessen Hilfe Faust die Dämonen heraufbeschwört (die er dann nicht sieht, obwohl sie neben ihm stehen). Der Computer als Tor zur Hölle. Das Licht des Bildschirms taucht des Gelehrten Gesicht in teuflisches Rot. Statt mit der Brut des Bösen direkt zu sprechen, kommuniziert er in Richtung Computer.
Ja, ja, diese modernen Gerätschaften, reines Teufelszeug. Endlich aber steht der Richtige neben Faust – Mephistopheles. Mit ihm ist der Pakt besiegelt: fröhliches Marodieren im Diesseits, Seelenabgabe im Jenseits.
Ferruccio Busonis Spät- und Lebenswerk «Doktor Faust» ist eng verknüpft mit der Semperoper. Hier wurde die Oper im Mai 1925 uraufgeführt. Busoni starb ein Jahr zuvor. Obwohl er fast zehn Jahre an seinem «Faust» arbeitete – nach Vorlage des Volksbuchs, nicht nach Goethes Dichtung –, blieb ihm die Vollendung verwehrt. Stattdessen ergänzte Schüler Philipp Jarnach. Dessen Fassung wiederum überholte Antony Beaumont nach Originalquellen in den ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Nora Sophie Kienast
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