Ach!
Der Doktor öffnet das große, geheimnisvolle, in Leder gebundene Buch. Er weiß, was da vor ihm liegt und wohin es ihn führen wird: zur Macht, zur Erkenntnis, zum Teufel. Doch das Buch ist Tarnung. Statt Zauberformeln birgt es einen Laptop, mit dessen Hilfe Faust die Dämonen heraufbeschwört (die er dann nicht sieht, obwohl sie neben ihm stehen). Der Computer als Tor zur Hölle. Das Licht des Bildschirms taucht des Gelehrten Gesicht in teuflisches Rot. Statt mit der Brut des Bösen direkt zu sprechen, kommuniziert er in Richtung Computer.
Ja, ja, diese modernen Gerätschaften, reines Teufelszeug. Endlich aber steht der Richtige neben Faust – Mephistopheles. Mit ihm ist der Pakt besiegelt: fröhliches Marodieren im Diesseits, Seelenabgabe im Jenseits.
Ferruccio Busonis Spät- und Lebenswerk «Doktor Faust» ist eng verknüpft mit der Semperoper. Hier wurde die Oper im Mai 1925 uraufgeführt. Busoni starb ein Jahr zuvor. Obwohl er fast zehn Jahre an seinem «Faust» arbeitete – nach Vorlage des Volksbuchs, nicht nach Goethes Dichtung –, blieb ihm die Vollendung verwehrt. Stattdessen ergänzte Schüler Philipp Jarnach. Dessen Fassung wiederum überholte Antony Beaumont nach Originalquellen in den ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Nora Sophie Kienast
Es geht ihm durchaus um Schönheit, Wahrheit, musikalische Logik, nicht jedoch um Konsens und Konsum. Lange haftete Helmut Lachenmann das Etikett des Zerstörers, Verweigerers, des «Geräuschkomponisten» an. Noch bei der Uraufführung seines «Mädchens mit den Schwefelhölzern» 1997 in Hamburg polemisierte der «Spiegel» unverhohlen. Inzwischen wurde das Stück in ganz...
Wer würde schon hinter Wörtern wie Opium oder Parfüm die Titel musikalischer Anthologien erahnen? Oder gar ein «Konzept» hinter dem Wort «Heimat», das Benjamin Appl für seine Debüt-CD bei Sony gewählt hat. Auf die Frage, um welche Heimat es geht, geben die 25 Lieder deutscher, französischer, englischer und eines norwegischen Komponisten 1003 Antworten. Es gehe...
Sterben? Für eine schlechte Sache? Nein, sagt der Dichter und schreibt ein Poem, welches sich gegen die Gräuel des Ersten Weltkriegs richtet, zugleich aber grundsätzlich nach dem Wesen von Leben und Tod fragt. Man schrieb das Jahr 1917, da lieferte Puccinis Librettist Giuseppe Adami die Vorlage für das Lied «Morire?». Dieser nutzte es zu einem leidenschaftlichen...
