Adel verpflichtet
Als Schüler hatte ich das englische Magazin «Opera» abonniert, in dem den Premieren und Wiederaufnahmen des Royal Opera House naturgemäß breiter Raum gegeben wurde. Viele der Aufführungen, die ich dort beschrieben fand und die ich nur zu gern miterlebt hätte, finde ich nun zumindest als Tonkonserve in einer neuen Reihe «Heritage Series» wieder, die von der Oper selbst herausgegeben wird und deren erste zehn Folgen jetzt vorliegen.
Die Serie beginnt glanzvoll mit einer «Otello»-Aufführung von 1955, die von dem damaligen Musikdirektor Rafael Kubelik geleitet wurde.
Der tschechische Maestro war – was heute etwas in Vergessenheit geraten ist – ein bedeutender Verdi-Dirigent. Er schafft ein klangliches Breitwandgemälde mit vielen leuchtenden Details, gibt den Sängern darin Raum zur optimalen Entfaltung. Und seine Protagonisten nutzen ihn. Ramón Vinay, damals noch auf der Höhe seiner tenoralen Möglichkeiten, ist ein fast überlebensgroßer Otello, furchterregend in seiner wilden Leidenschaftlichkeit. Gré Brouwenstijn ist ihm die ideale Partnerin, mit ähnlicher Stimmfülle gesegnet, aber zugleich eine Meisterin des feinsten Piano und seelenvolle Gestalterin. Der böse Dritte, Otakar Kraus, ...
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Kein leichtes Spiel für Kapellmeister Kreisler: Nicht einmal ein Jahr ist E. T. A. Hoffmann im Amt des zuständigen Musikdirektors zu Bamberg, da sieht er schon die Unzahl der (theatralen wie menschlichen) Unzulänglichkeiten. Am 21. Januar 1809 schreibt er an Johann Friedrich Rochlitz, den Begründer der «Allgemeinen Musikalischen Zeitung»: (...) «Zu einer guten...
Zum Wesen des Skandals gehört eine Halbwertzeit, die gegen null tendiert. Je größer die Aufregung, je lauter das Gebrüll, desto schneller ist die Querele verflogen. Oft kann man sich schon wenige Tage nach den Tumulten nicht mal mehr genau an den Casus Belli erinnern. Plötzlich gilt die soeben noch heftig befehdete Sache als hip, man jubiliert, gibt sich mit dem...
Eine Repertoireaufführung von Massenets «Werther» an der Bayerischen Staatsoper. Kaum freie Plätze, nach «pourquoi me réveiller» gibt es unvorgesehenen Zwischenapplaus für Piotr Beczala, am Ende lang anhaltenden Jubel. Dieser Werther fasziniert durch die Spannung zwischen konzentrierter Energie und scheuem Zartgefühl, zwischen Empfindsamkeit und auflodernder...
