Achterbahn der Gefühle
In zwei Jahren feiert der «Rosenkavalier» seinen hundertsten Geburtstag. So langsam wird klar, welch bitterböses, ironisch-pessimistisches Stück uns Hofmannsthal und Strauss mit dieser Komödie hinterlassen haben. Wenn am Ende der Vorhang fällt, hat nicht nur der derbe Baron Ochs eine schmerzhafte Abreibung erhalten – auch die Marschallin, die sich die Zeit mit jüngeren Liebhabern vertreibt, ist bloßgestellt, und selbst hinter das Happy End des jugendlichen Liebespaares, des 17-jährigen Octavian und der 15-jährigen Sophie, setzen Text wie Musik ihr unüberhörbares Fragezeichen.
In Christof Nels Inszenierung erlebt man allesamt schillernde, tief unsichere Menschen, die wenig miteinander kommunizieren und viel mit sich selbst beschäftigt sind. Nel zerlegt die Handlung in Situationen, Stimmungen, Seelensplitter und bricht so von Anfang an die Scheinharmonie auf, die man uns im «Rosenkavalier» immer als Harmonie vorgespiegelt hat. Bei diesem analytischen Zugang kommt es weniger auf Atmosphäre als auf Tiefenschärfe an. Knallrote, fahrbare Stoffbahnen liefern dazu auf Jens Kilians sich ständig wandelnder Bühne einen adäquaten Rahmen. Das Interesse gilt Hofmannsthals Beziehungsdramaturgie, ...
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