Achterbahn der Gefühle

Hannover

Opernwelt - Logo

In zwei Jahren feiert der «Rosenkavalier» seinen hundertsten Geburtstag. So langsam wird klar, welch bitterböses, ironisch-pessimistisches Stück uns Hofmannsthal und Strauss mit dieser Komödie hinterlassen haben. Wenn am Ende der Vorhang fällt, hat nicht nur der derbe Baron Ochs eine schmerzhafte Abreibung erhalten – auch die Marschallin, die sich die Zeit mit jüngeren Liebhabern vertreibt, ist bloßgestellt, und selbst hinter das Happy End des jugendlichen Liebespaares, des 17-jährigen Octavian und der 15-jährigen Sophie, setzen Text wie Musik ihr unüberhörbares Fragezeichen.


In Christof Nels Inszenierung erlebt man allesamt schillernde, tief unsichere Menschen, die wenig miteinander kommunizieren und viel mit sich selbst beschäftigt sind. Nel zerlegt die Handlung in Situationen, Stimmungen, Seelensplitter und bricht so von Anfang an die Scheinharmonie auf, die man uns im «Rosenkavalier» immer als Harmonie vorgespiegelt hat. Bei diesem analytischen Zugang kommt es weniger auf Atmosphäre als auf Tiefenschärfe an. Knallrote, fahrbare Stoffbahnen liefern dazu auf Jens Kilians sich ständig wandelnder Bühne einen adäquaten Rahmen. Das Interesse gilt Hofmannsthals Beziehungsdramaturgie, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2009
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Müde Posse, muntere Musik

Die Saarbrücker Generalintendantin Dagmar Schlingmann hat für ihre Inszenierung von Rossinis «Barbier von Sevilla» an der Commedia dell’arte Maß genommen. Herausgekommen ist allerdings wenig mehr als eine müde Posse. Originell geriet der Beginn, wenn Almavivas Ständchen auf die von ihrem Vormund Bartolo unter Verschluss gehaltene Rosina vom karikierten Auftritt...

Gemischte Gefühle

Wer den neuen, von Santiago Calatrava entworfenen Palau de les Arts in Valencia besucht, sollte sich warm anziehen. Denn man fröstelt schnell in dieser kühlen, mit weißen und blauen Kacheln ausgekleideten Architektur, die weit entfernt vom Stadtzentrum im trockengelegten Flussbett des Turia errichtet wurde. Wie man hört, soll es bei starkem Regen immer noch...

Theatermusik

Adorno hat seine Kritik an Wagners Musik in eine dialektische Volte verpackt: Die Leitmotivtechnik mit ihrer Statik bilde die Kehrseite von Wagners «unendlicher Melodie». Insbesondere der «Götterdämmerung» warf Adorno vor, sie schleppe eine ganze «Armatur von Leitmotiven» mit sich herum; damit seien musikalischer Fluss und die Chance zur wahren Entwicklung...