Achterbahn der Gefühle
In zwei Jahren feiert der «Rosenkavalier» seinen hundertsten Geburtstag. So langsam wird klar, welch bitterböses, ironisch-pessimistisches Stück uns Hofmannsthal und Strauss mit dieser Komödie hinterlassen haben. Wenn am Ende der Vorhang fällt, hat nicht nur der derbe Baron Ochs eine schmerzhafte Abreibung erhalten – auch die Marschallin, die sich die Zeit mit jüngeren Liebhabern vertreibt, ist bloßgestellt, und selbst hinter das Happy End des jugendlichen Liebespaares, des 17-jährigen Octavian und der 15-jährigen Sophie, setzen Text wie Musik ihr unüberhörbares Fragezeichen.
In Christof Nels Inszenierung erlebt man allesamt schillernde, tief unsichere Menschen, die wenig miteinander kommunizieren und viel mit sich selbst beschäftigt sind. Nel zerlegt die Handlung in Situationen, Stimmungen, Seelensplitter und bricht so von Anfang an die Scheinharmonie auf, die man uns im «Rosenkavalier» immer als Harmonie vorgespiegelt hat. Bei diesem analytischen Zugang kommt es weniger auf Atmosphäre als auf Tiefenschärfe an. Knallrote, fahrbare Stoffbahnen liefern dazu auf Jens Kilians sich ständig wandelnder Bühne einen adäquaten Rahmen. Das Interesse gilt Hofmannsthals Beziehungsdramaturgie, ...
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«Werkraum-Theaterlabor» steht an der Tür im Freiburger Theatercafé. Das klingt nach Experiment und nach Spannung. Hier, auf dieser kleinsten Bühne des Freiburger Theaters, ist in der letzten Spielzeit «Der unglaubliche Spotz» vom Verein «indieoper» uraufgeführt worden – ein Stück von Mike Svoboda und Manfred Weiß, das inzwischen auch in Stuttgart und Augsburg zu...
Schutzlos ausgeliefert, fast nackt, dem Publikum indiskret nahe. Kein Kostüm, hinter dem man sich verstecken kann, kein Graben, der Distanz schafft, kein Orchester, das einen akustisch schützend umhüllt. Liedgesang, zumal im Saal, scheint keine Sache für Ängstliche. Manche Sänger freilich lieben gerade diese Nähe: «Was mich am Lied so fasziniert, ist die direkte...
Es gehört zum Job des Intendanten, die Werbetrommel zu rühren und im Rückblick ein bisschen zu verklären. «Wohl selten ist eine zeitgenössische Oper unter glücklicheren Umständen geboren worden», meinte Gustav Rudolf Sellner über die Uraufführung von «Der junge Lord» an der Deutschen Oper Berlin. 1965 fand die statt, und natürlich meinte Sellner die Umstände der...
