Acht Countertenöre für den Papst
Stefano Landis «Il Sant’ Alessio» (Rom 1632/34), gesteht William Christie in einem Bonus-Interview des DVD-Mitschnitts aus Caen, sei seit seinem Studium eines seiner Lieblingswerke. Nicht nur die herb-chromatische Musik habe es ihm angetan, sondern vor allem auch die Qualität der Verse. Schon 1996 legte er eine gekürzte und mit Frauen in den hohen Stimmen besetzte Aufnahme bei Erato (siehe OW 1/97) vor. Nun ist es möglich, das Werk in voller Länge (allerdings ohne die Intermedien) und mit Männern bzw. Knaben in allen Rollen zu präsentieren.
In Rom war Frauen ja aus Gründen der Sittlichkeit seit 1588 der Auftritt auf Bühnen verboten. Noch Goethe berichtet von Goldoni-Aufführungen in reiner Männerbesetzung.
Landis dreistündiges Dauer-Lamento birgt allerdings die Gefahr der Monotonie, wenn man sich nicht sehr genau einhört und ein feines Ohr für harmonische Finessen und Landis madrigalischen Ton entwickelt. Christie nimmt für sich in Anspruch, während der Vorstellungen spontan mit seinen vertrauten Musikern der Arts Florissants über die notierte Basslinie der vielen Klagen, aus denen das gegenreformatorische Märtyrer-Drama besteht, zu improvisieren. Insgesamt wirkt das Klangbild aber ...
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In der Regel singt der Mensch, um einen außerordentlichen Gefühlszustand auszudrücken – ein Umstand, den sich der Kunstgesang zunutze macht, speziell in der Oper. Wenn einer nun «Bitte ein großes Bier» schmettert, so handelt es sich entweder um einen säumigen Vokalisten, der die Bestellung in der Kantine dazu benutzt, um sich für die Probe einzusingen. Oder aber...
Ein tönender Überfall. Kopfüber stürzt sich das Orchestre philharmonique de Strasbourg in diesen «Fidelio». Das Fanfarenmotiv am Beginn der Ouvertüre: wie ein Startschuss, schnell, fast schon hastig, alles beiseite drückend, keinen Einwand duldend, basta. Der Straßburger Beethoven-Tonfall ist eher harsch, wie abgerissen, schmucklos drängend, ja, dringlich, Verve...
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