Scheidung in hohen Tönen
In der Regel singt der Mensch, um einen außerordentlichen Gefühlszustand auszudrücken – ein Umstand, den sich der Kunstgesang zunutze macht, speziell in der Oper. Wenn einer nun «Bitte ein großes Bier» schmettert, so handelt es sich entweder um einen säumigen Vokalisten, der die Bestellung in der Kantine dazu benutzt, um sich für die Probe einzusingen. Oder aber um jemanden, der dadurch, dass er eine simple Alltagshandlung vermittels Gesang überhöht, sich über etwas mokieren will. Letzteres beabsichtigte die «Zeitoper», die in den 1920er Jahren ihre Blüte erlebte.
Man wollte das Opernpathos Wagner’scher Provenienz ironisieren und das kunstreligiös infizierte Publikum provozieren.
Freilich kommt selbst «Neues vom Tage», Paul Hindemiths in diesem Geiste geschaffene Antioper, ohne große Gefühle nicht aus; auch hier geht’s um Liebe und ihr Gegenteil, wobei Letzteres nicht im Mord endet, sondern vor den Scheidungsrichter führt. Auf Nicola Reicherts rotierender, an einen Vergnügungsdampfer (Traumschiff?) erinnernder Bühne hat Gabriele Rech in Linz die Geschichte um ein streitbares Ehepaar, dessen Story von den Zeitungen vereinnahmt wird, mit Geschmack und Witz inszeniert. Wobei aus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vor etwas mehr als drei Jahrzehnten brachte David Cronenberg den Film «The Fly» heraus. Darin entwickelt der ehrgeizige Biochemiker Dr. Brundle die Technik der «Teleportation». Vermittels dieser werden komplexe Substanzen, später auch Lebewesen atomisiert, die Elementarteilchen per Funk verschickt und am Zielort wieder zusammengesetzt. Brundle, der näher mit einer...
Wozzecks Welt ist eine Scheibe. Fällt er von ihrem Rand, was ihm im Verlauf des Abends ein paar Mal passiert, fällt er ins abgründige Universum seiner wirren Fantasie. Martin Winkler spielt und singt das mit wilder, weher Leidenschaft und großer, fülliger Stimme; ein grob gewobener, doch gutmütiger Kerl, dem die Mitwelt so übel zusetzt, dass er sich zuletzt an dem...
Für einmal macht Triquet keine graziösen Faxen, sondern stürmt und drängt, führt quasi die Leiden des jungen Werther vor. Am Schluss seiner Couplets schenkt er Tatjana, die er offenbar tief verehrt, eine dunkle Blume – jene Blume des Abschieds vielleicht, von der Rilke sagt, sie blühe irgendwo und streue «immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber; auch noch im...
