Abwechslungsreich
Immer mit einem Fez auf dem Kopf für die Touristen herumstehen, das fetzt auch nicht so richtig. Also wirft Rafał Tomkiewicz als Nireno den Kaftan ab und legt einen Bauchtanz hin, während ein Klavier die barocke Orchesterbegleitung ins Kaffeehaus verlegt, zu finden wahrscheinlich im filmmythischen Casablanca. Der musikalische Leiter macht das willig mit, schließlich ist er auch der Regisseur: George Petrou hat mit der aktuellen Frühjahrsausgabe die künstlerische Leitung der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen übernommen.
Hierzulande bislang eher als Dirigent seines Ensembles Armonia Atenea bekannt, nimmt seine (zuvor bereits von der Nederlands Reisopera gezeigte) Inszenierung von «Giulio Cesare in Egitto» den Titel wörtlich: Der Titelheld darf seinen Eroberungstrieb auf einer Ägyptenexpedition wahrhaft ausleben.
Dabei bekommt er alles zu sehen, was das Touristenherz begehrt: Grabkammern, bewacht von Monumentalstatuen des Totengotts Anubis; Mumien, die kess ihre Binden abwerfen; sogar ein Erdbeben, das die morschen Säulen einstürzen lässt. Weil er aber Julius Cäsar ist (wenn auch im Kolonialgewand des frühen 20. Jahrhunderts), erhält er noch ein Exklusivprogramm obendrauf: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Michael Stallknecht
Ein «lyrisches Märchen» hat Antonín Dvořák seine 1901 uraufgeführte Oper «Rusalka» genannt. Um ein Mensch zu werden und eine Seele zu erwerben, muss die Nixe ihre Stimme aufgeben. Ohne Sprache ist sie aber nur ein Phantom für den Prinzen, dessen Traumbild sie liebt. In der zeittypischen Gestaltung des Stoffs durch den Librettisten Jaroslav Kvapil verbinden sich...
Der Dunst der Dekadenz schwebt über den üppig orchestrierten Klängen des Italo Montemezzi. «L'amore dei tre re» atmet die Schwüle des Fin de Siècle. Am 10. April 1913 wurde das Poema tragico an der Mailänder Scala gleichwohl zu einem Uraufführungstriumph, der kurz darauf vom Erfolg der (von Arturo Toscanini an der Met dirigierten) USA-Premiere noch übertroffen...
Ein Wortspiel mit dem französischen Ausdruck für «Rebellin» findet sich auf dem Cover eines neuen Albums der Sopranistin Josefine Göhmann und des Pianisten Mario Häring: «réBelles!». Göhmann kommentiert: «Sich in dieser Welt selbst zu finden und zu definieren, ist unglaublich komplex geworden. Für uns Frauen ist es sehr schwierig, obwohl wir mehr als 100 Jahre...
