Abschiedswalzer
Ein Mann zieht Resümee. Er ist 87, hat fast alles erlebt auf der Bühne, die manchmal auch die Bühne des Lebens ist – als Schauspieler, Regisseur, Intendant, Pädagoge und als Mensch. Nun blickt er zurück, und es ist ein Blick nicht im Zorn, sondern beinahe der des Philosophen Seneca aus Monteverdis «L’incoronazione di Poppea»: mild lächelnd, epikureischweise, ein Blick mit zarten Faltenaufwurf. Eines vor allem, das schreibt Michael Hampe im Vorwort zu «Schlussvorhang», sei ihm stets wichtig gewesen: die Werke selbst. Vor allem die bedeutenden unter ihnen.
Sie seien viel allgemeiner und umfassender als jene Moden, denen sie vor allem heutzutage unterworfen würden. «Man soll sie nicht kleiner machen, als sie sind.»
Am 18. November vergangenen Jahres ist Michael Hampe gestorben.
Was bleibt, ist die Erinnerung an eine vielfältige Theaterarbeit, vor allem an seine Zeit als Opernintendant in Köln. Und dieses kleine, feine Buch, das Hampe noch mit letzter Kraft zu Ende schreiben konnte und das wenige Monate nach seinem Tod, als eine Art Hommage an diesen Künstler und Kulturmanager, erschienen ist, im kleinen, feinen Alexander Verlag Berlin. Schon in den ersten Sätzen spürt man zweierlei: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 36
von Jürgen Otten
So klingt die Sehnsucht, wenn sie utopisch ist: «Die blühenden Bäume verlieren die Blüten nicht mehr in dem ewigen Morgen ...» Hilde Domin schrieb diesen Vers im Exil der Dominikanischen Republik, ihrer «Inselkäfigexistenz». Zugleich sind es die letzten Worte jenes Zyklus aus sieben Liedern für Frauenstimme, den Stefan Heucke (unter dem Titel «Dennoch») auf Texte...
Eigentlich war, sieht man von den Wolken ab, die mürrisch über dem Festspielhaus kreisten und einen missmutigen Blick auf Arno Brekers frisch eingeweihte Wagner-Büste warfen, vieles wie immer an diesem 16. August 1955 in Bayreuth. Auf dem Programm stand Wieland Wagners «Parsifal»-Inszenierung, die ihre Premiere vier Jahre zuvor, bei den ersten Bayreuther...
Welch süße Freude, Göttin / entzündest du in unserer Brust. / Konnte der gütige Himmel mehr für uns tun? / Welch süße Freude, Göttin!» Einander nachsingend, dann gleichzeitig ihre Stimmen ineinanderschlingend danken die jungen Liebenden Hyllo und Iole am Schluss von Antonia Bembos «L’Ercole Amante» der Göttin Giunone für das gute Ende einer ungut begonnenen...
