Abschiede
Endlich hat die Met ihren schwergängigen, vom Publikum indes heißgeliebten «Rosenkavalier» von 1969 in den Ruhestand geschickt. Fortan wird er in jener raffinierten, oft geschäftigen Inszenierung gegeben, die Robert Carsen Ende letzten Jahres an Covent Garden herausbrachte. Paul Steinberg lieferte dazu die im Stil der Sezession gehaltenen, nicht immer attraktiven Bühnenbilder, Brigitte Reiffenstuel exzellent gearbeitete Kostüme aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.
Strauss und Hofmannsthal haben uns drei außergewöhnliche Finali beschert.
Wirklich in den Griff bekam Carsen freilich nur das erste: Die Marschallin tritt durch Türen ab, die zugleich ihre Möglichkeiten zu verschließen scheinen. Mit dem Gruppenfoto und überfallartigen Massaker des Militärs zum Ende des zweiten Akts hingegen bemüht die Regie derzeit schwer überstrapazierte Klischees. Am Premierenabend kassierte das Produktionsteam einige Buhs, ungetrübter Applaus in der zweiten Vorstellung.
Gefeiert wurde zu Recht Sebastian Weigle, der das Met-Orchester zuletzt (und bisher einzigem Mal) bei einer «Zauberflöten»-Serie geleitet hatte. Weigle wählte rasche Tempi, klare Konturen, lockerte die Zügel freilich in beinahe ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 51
von David Shengold
Der Lyriker bleibt am längsten mit dem Musiker geeint», schreibt Friedrich Nietzsche in «Götzen-Dämmerung», auch wenn die Künste sich «allmählich spezialisiert und voneinander abgetrennt» hätten. Mit beiden Kunstgattungen war Nietzsche eng vertraut: Bis etwa zum 30. Lebensjahr komponierte er selbst, auch wenn er wusste, dass er dabei unter der Messlatte der von ihm...
Diese Ausgrabung von Nico Dostals 1936 uraufgeführter Operette zeigt vor allem eines: unter welchen Bedingungen unterhaltendes Musiktheater nach drei Jahren NS-Kulturpolitik stattfand, nachdem mit den jüdischen Künstlern auch der freche Witz und der freie Geist aus den Theatern vertrieben worden waren. Dostals Librettist Rudolf Köller mag ein belesener Mann gewesen...
Dunkel soll es klingen, das Eisentor, das sich zu Beginn des vierten Aktes schließt. Verlauf und Zeitwerte dieses Sounds sind genau notiert, bis auf den letzten Akzent einer (sonst stummen) Quintole. Fortschreitend in Tontrauben zwischen dreifachem piano und forte. Dann mischt sich Gemurmel einer Menschenmenge in die rund um das Auditorium des Genter Opernhauses...
