Gestaute Zeit
Dunkel soll es klingen, das Eisentor, das sich zu Beginn des vierten Aktes schließt. Verlauf und Zeitwerte dieses Sounds sind genau notiert, bis auf den letzten Akzent einer (sonst stummen) Quintole. Fortschreitend in Tontrauben zwischen dreifachem piano und forte. Dann mischt sich Gemurmel einer Menschenmenge in die rund um das Auditorium des Genter Opernhauses installierten Lautsprecher. Von Wind verweht, von beckensirrendem Gewölk vernebelt. Ein Zug kreuzt die virtuelle Klanglandschaft, ein Vogel flattert auf, rollende Kugeln aus Metall, aus Holz.
Zum ersten Mal während des zweieinhalbstündigen Exerzitiums der gestauten, angehaltenen Zeit, das Chaya Czernowin in «Infinite now», ihrer (nach «Pnima» und «Adama» zu Mozarts «Zaide») dritten, bislang komplexesten Arbeit für das Musiktheater ausformuliert, verschmelzen hier die Sängertrios, die zwei verschiedenen Sphären zugeordnet sind: das eine (Sopran, Alt, Bass) Texten aus dem Stück «Front» (2014), in dem Luk Perceval mit Soldatenbriefen und Auszügen aus Erich Maria Remarques Roman «Im Westen nichts Neues» an das Pandämonium des Ersten Weltkriegs erinnert; das andere (Mezzo, Counter, Bariton) einer hermetisch-surrealen Erzählung ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Albrecht Thiemann
Wie klingt es, wenn jemand zur Salzsäure erstarrt? Wie tönt es, wenn Sodom und Gomorrha in Schutt und Asche gelegt werden? Antworten gibt der italienische Komponist Giorgio Battistelli in seiner neuesten Oper «Lot», die jetzt mit zweijähriger Verspätung in Hannover uraufgeführt wurde.
Dass die erste Frage dann doch offen bleibt, liegt an der Librettistin Jenny...
Vor langer Zeit hat mir eine Kollegin von einer Auseinandersetzung mit einem Regisseur erzählt. Ich habe die Anekdote nie vergessen. Sie schuftete als Fiordiligi für eine Wiederaufnahme. Auch bei der Premiere war sie dabei gewesen, jetzt – mit Abstand – schien ihr manches noch absurder als zuvor. Als es an «Per pietà» ging, konnte sie sich die Frage einfach nicht...
Wann sind Sie Ariadne zum ersten Mal begegnet?
2014, in meinem letzten Jahr an der Opernakademie Kopenhagen. Ich habe einige Nummern für die Abschlussprüfung und in einem Konzert gesungen.
War das damals eine Wunschpartie?
Ich kannte «Ariadne auf Naxos» gar nicht, habe bei Null angefangen, bin an der Hochschule jeden Takt mit meiner Lehrerin Susanna Eken...
