Der Welt abhanden gekommen
Der Lyriker bleibt am längsten mit dem Musiker geeint», schreibt Friedrich Nietzsche in «Götzen-Dämmerung», auch wenn die Künste sich «allmählich spezialisiert und voneinander abgetrennt» hätten. Mit beiden Kunstgattungen war Nietzsche eng vertraut: Bis etwa zum 30. Lebensjahr komponierte er selbst, auch wenn er wusste, dass er dabei unter der Messlatte der von ihm geschätzten Komponisten blieb. Die Lyrik dagegen begleitete Nietzsche lebenslang, Gedichte entstanden schubweise in mehreren Phasen.
Der Einfluss der beiden Künste reicht so weit, dass man durchaus zögern darf, Nietzsche einen Philosophen in der Weise zu nennen, wie Kant oder Hegel das waren. Er gehörte nicht nur zu den wenigen seiner Zunft, die kompetent, wenn auch leidenschaftlich Partei ergreifend über Musik schreiben konnten. Seine Musikalität hat einen neuen Begriff von Philosophie geschaffen, an zentralen Stellen kippen auch die philosophischen Texte immer wieder ins Gedicht, in den Klang, ja in eine tänzerische Logik der Bewegung.
Kein Wunder also, dass sich Komponisten immer wieder magisch von Nietzsche angezogen fühlten und fühlen. Der Bariton Peter Schöne und der Pianist, Komponist und Performer Moritz Eggert ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Michael Stallknecht
Die Entstehungsgeschichte des «Prophète» zieht sich lang durch die 1840er-Jahre. Für die extremen Anforderungen an seine Hauptpartien musste Meyerbeer auf die Verfügbarkeit vor allem der epochalen Mezzosopranistin Pauline Viardot warten, die Fidès, der Mutter des falschen Propheten, unfassbar profunde Töne zu geben vermochte. Dann kam noch die 48er Revolution...
Ein «Frühlingsmärchen» hat Nikolai Rimsky-Korsakow seine vierte Oper genannt. Das trifft die in «Snegurotschka» verhandelte Sache genauer als der Name des Fabelwesens, das dem Stück den Titel gab. Denn nicht die unmögliche Romanze der Geisterbraut, die am Ende in den Armen eines profanen Handelsmanns dahinschmilzt, treibt hier die Handlung, sondern eine von...
Eigentlich könnte man es sich leicht machen mit «Satyagraha» von Philip Glass: Man lässt die Räucherstäbchen süßlich nebeln, dazu die Musik sanft und monoton in die Gehörgänge laufen (die minimalen rhythmischen Verschiebungen und harmonischen Progressionen stören nicht weiter) und den Geist langsam ins Nirwana trudeln. Dort angekommen, würde die Gandhi-Oper von...
