Abschied mit Ödipus

Esa-Pekka Salonen verlässt die Los Angeles Philharmonic, Peter Sellars reaktiviert für ihn seine Strawinsky-Zeremonie von 1994

Opernwelt - Logo

Die meisten Menschen unterscheiden mühelos zwischen rituellem Theater (wie es etwa im alten Griechenland oder in entlegenen indischen Dörfern existiert/e) und der zeitgenössischen Kulturindustrie Europas oder Amerikas. Der Regisseur Peter Sellars lässt diese Unterscheidung nicht gelten.

Anlässlich der Abschiedsfeierlichkeiten der Los Angeles Philharmonic für ihren Chefdirigenten Esa-Pekka Salonen, der das Orchester nach 17 Jahren verlässt, brachte Sellars in der Walt Disney Hall eine überarbeitete Fassung eines Strawinsky-Abends auf die Bühne, den er 1994 in Zusammenarbeit mit Kent Nagano für die Salzburger Festspiele konzipiert hatte (siehe OW 10/1994). An sich eine schlüssige Wahl. Schließlich zählte Strawinsky zu den Grundsteinen des von Salonen in Los Angeles gepflegten Repertoires, zudem ist Sellars seit vielen Jahren ein kongenialer Partner des Dirigenten.
So standen zum großen Finale der Ära Salonen (der um den ironisch-gestelzten Sprecherpart Jean Cocteaus gekürzte) «Oedipus Rex» und die «Symphony of Psalms» auf dem Programm; Letztere hatte Sellars als Pantomime nach der Tragödie «Ödipus auf Kolonus» eingerichtet. Als ständige Begleiterin des Geschehens hatte Sellars eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2009
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Matthew Gurewitsch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Maler und seine Frauen

Richard Gill, Dirigent der neuen Oper «Rembrandt’s Wife» von Andrew Ford, gab vor der Uraufführung zu Protokoll, er finde es sehr «erfrischend, dass dieses Werk eines australischen Komponisten kein australisches Sujet behandelt». Das war durchaus schmeichelhaft gemeint. Denn wirklich liegen den meisten in Australien entstandenen Opern Themen zugrunde, die in Europa...

Experimentelle Wertarbeit

Nirgendwo in Deutschland ist die Infrastruktur für zeitgenössisches Musiktheater so dicht wie in Nordrhein-Westfalen. Neben den zahlreichen Theatern im Land sorgen gleich zwei öffentliche Fonds für Rückenwind (siehe Interview). Und was auf dem Papier vielleicht ein wenig nach bürokratischer Gremienwirtschaft aussieht, erweist sich bei näherer Betrachtung als...

Nahaufnahme

Schon der Begriff «Nowosibirsk» gilt im deutschsprachigen Raum als Synonym für das Ende der Welt. Umso erstaunlicher, dass eine Opernproduktion, die in Sibirien aus der Taufe gehoben wurde, bei ihrer Premiere an der koproduzierenden Pariser Bastille-Oper deutlich frischer, unkonventioneller und gegenwartsnäher daherkommt als der mitteleuropäische Mainstream.
Macbeth...