Abgesang
Das Kunstfest Weimar hat sich unter der Leitung von Rolf C. Hemke seit 2019 zu einem gesellschaftspolitischen Seismographen entwickelt. Während des Festivals für zeitgenössische Kunst schlägt das imaginäre Messinstrument angesichts der empathisch durchreflektierten, prozesshaften Programmpunkte drei Wochen lang weit aus. Hemke wird Weimar allerdings aufgrund ausbleibender Vertragsverlängerung verlassen, um sein Glück als Intendant des Theaters Vorpommern zu versuchen.
In seiner letzten Ausgabe baute er das Programmkonzept mit den für ihn dringlichen Kunstformen Doku-Oper, politisches Schauspiel, vielfältige Partizipation von teilweise exotischem Ausmaß – etwa mit einem indigenen taiwanesischen, ritualhaft-akrobatischen Männerballett oder einer multimedialen «Faust»-Deutung aus Südafrika –konsequent aus. Diese Diskursivität war Hemkes Bindeglied, um den Spagat zwischen dem komplexen kulturgeschichtlichen Erbe der Weimarer Klassik und der geforderten Erinnerungskultur angesichts des nahen Konzentra -tionslagers Buchenwald ohne Verrenkungen zu schaffen. Das gelang ihm.
Unter seiner Leitung mauserte sich das Kunstfest auch zu einem veritablen Ort gegenwärtigen Musiktheaters. Damit hat ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2025
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Achim Heidenreich
Zum ersten Mal habe ich Gabriel Feltz in Hamburg wahrgenommen. Das war 1991, während der Proben zu John Neumeiers Inszenierung von Bernsteins Musical «On the Town». Feltz, 20 Jahre jung, war damals Assistent des Generalmusikdirektors Gerd Albrecht und saß bei den Bühnenproben als Korrepetitor im Orchestergraben. Zu seinen Aufgaben gehörte es, uns Aushilfssänger,...
Auf dem Cover seiner Einspielung des «Idomeneo» scheint Simon Rattle – mit geschlossenen Augen, Daumen und Zeigefinger der rechten Hand zur Geste des «Superb!» geformt – verzückt ein delikates Gericht zu verkosten. Assoziativ denkt man an Wolfgang Hildesheimers Befremdung (in seiner Mozart-Biographie), dass am Hofe des Salzburger Erzbischofs «die Musik – gleichsam...
Falstaffs Bauch wird nicht bloß behauptet. In aller Immensität quillt er Simon Keenlyside über den Gürtel. Der hockt in einer gemütlich heruntergekommenen Bar, ungefähr in den 1960er-Jahren, und schmiedet Pläne, wie er sein Shilling- und Fraueneroberungskonto aufbessern könnte. Und wenn ihm dabei einmal mehr aufgeht, was für ein grandioser Kerl er doch ist, dann...
