Abgesang
Das Kunstfest Weimar hat sich unter der Leitung von Rolf C. Hemke seit 2019 zu einem gesellschaftspolitischen Seismographen entwickelt. Während des Festivals für zeitgenössische Kunst schlägt das imaginäre Messinstrument angesichts der empathisch durchreflektierten, prozesshaften Programmpunkte drei Wochen lang weit aus. Hemke wird Weimar allerdings aufgrund ausbleibender Vertragsverlängerung verlassen, um sein Glück als Intendant des Theaters Vorpommern zu versuchen.
In seiner letzten Ausgabe baute er das Programmkonzept mit den für ihn dringlichen Kunstformen Doku-Oper, politisches Schauspiel, vielfältige Partizipation von teilweise exotischem Ausmaß – etwa mit einem indigenen taiwanesischen, ritualhaft-akrobatischen Männerballett oder einer multimedialen «Faust»-Deutung aus Südafrika –konsequent aus. Diese Diskursivität war Hemkes Bindeglied, um den Spagat zwischen dem komplexen kulturgeschichtlichen Erbe der Weimarer Klassik und der geforderten Erinnerungskultur angesichts des nahen Konzentra -tionslagers Buchenwald ohne Verrenkungen zu schaffen. Das gelang ihm.
Unter seiner Leitung mauserte sich das Kunstfest auch zu einem veritablen Ort gegenwärtigen Musiktheaters. Damit hat ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Achim Heidenreich
Dem Namen des heute vergessenen italienischen Barockkomponisten Geminiano Giacomelli ist der interessierte Hörer erstmals 2009 auf Cecilia Bartolis CD «Sacrificium» begegnet. Damals sang Bartoli die Arie des Epitide «Sposa, non mi conosci» aus Giacomellis «Merope» – Musik mit Suchtcharakter, die daran erinnert, dass aus derselben Oper auch die Arie «Quell’usignolo»...
Seine Masques sind Legende. Mit dieser aparten Form der Semi-Oper reüssierte Henry Purcell während der Restaurationszeit im England des 17. Jahrhunderts auch deswegen, weil die puritanische Revolution dafür gesorgt hatte, dass im Sprechtheater eine streng-restriktive Verbotskultur herrschte. Mit allegorischen Figuren und einer zauberhaften, die Sinne betörenden...
Die Premiere von Verdis «Simon Boccanegra» am 12. März 1857 im venezianischen Teatro La Fenice war, zumindest im Urteil ihres Schöpfers, ein «Fiasko». Das Stück enthielt, anders als die drei vorausgegangenen Meisterwerke «Rigoletto», «Il trovatore» und «La traviata», keine eingängigen, populären Melodien, war von düsterer Stimmung, zudem durch eine schwer...
