Tutti gabbati

Verdi: Falstaff BRÜSSEL | THÉÂTRE DE LA MONNAIE

Opernwelt - Logo

Falstaffs Bauch wird nicht bloß behauptet. In aller Immensität quillt er Simon Keenlyside über den Gürtel. Der hockt in einer gemütlich heruntergekommenen Bar, ungefähr in den 1960er-Jahren, und schmiedet Pläne, wie er sein Shilling- und Fraueneroberungskonto aufbessern könnte. Und wenn ihm dabei einmal mehr aufgeht, was für ein grandioser Kerl er doch ist, dann wird auch gleich die Bar größer: Die Wände weichen zurück, und, feines Detail, der Blick fällt auf ein kleines Horn über dem Eingang.

Ums Gehörntwerden wird es noch gehen, und überhaupt hat Verdi in seiner letzten Oper den Hörnern schöne Aufgaben geschenkt.

Wie groß oder klein die Welt ist, wie schrecklich oder irre: eine Frage der Perspektive. Und da wir in Verdis später Commedia lirica sind und Laurent Pellys Inszenierung kein Abend über toxische Männlichkeit ist, sieht man hier einer geschmeidig laufenden Komödienmaschine beim Funktionieren zu. Pellys Falstaff ist ein gewaltig Unzeitgemäßer, ein Don Quijote im Fatsuit, vielleicht etwas zu verwahrlost. Dass er sich an die proper pastellkostümierten Damen von Windsor mit Erfolg heranmachen könnte, ist ganz unglaubwürdig, aber seine Sicht der Dinge. Zum berührendsten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Holger Noltze

Weitere Beiträge
Die Widerspenstige zieht uns hinan

Die Himmelfahrt ist abgesagt. Umsonst klimpert sich die Harfe in den letzten Takten des «Fliegenden Holländers» ins Paradies. In Osnabrück sendet noch ein Lichtkegel den Segen des Himmels in den wirbelnden Abgrund von Dennis Krauß. In Gelsenkirchen landet der Himmel mitsamt Schiff und Holländer am Ende direkt in der Tonne. Senta hat bei Regisseur Igor Pison...

«Wir sind ein Brennglas»

Zum ersten Mal habe ich Gabriel Feltz in Hamburg wahrgenommen. Das war 1991, während der Proben zu John Neumeiers Inszenierung von Bernsteins Musical «On the Town». Feltz, 20 Jahre jung, war damals Assistent des Generalmusikdirektors Gerd Albrecht und saß bei den Bühnenproben als Korrepetitor im Orchestergraben. Zu seinen Aufgaben gehörte es, uns Aushilfssänger,...

Auf der Höhe seiner Zeit

Jahrzehntelang galt Johann Adolf Hasse als einer der wichtigsten Komponisten jenes Operntyps, den die Musikgeschichtsschreibung in der Rückschau summarisch Opera seria genannt hat. Hasse war zwar an den Dresdner Hof gebunden, besaß aber Freiheiten, die es ihm erlaubten, attraktive Kompositionsaufträge zahlreicher bedeutender Theater anzunehmen. Seine Opern waren...