«Wir sind ein Brennglas»

Eine persönliche Erinnerung an den verstorbenen Dirigenten Gabriel Feltz

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Zum ersten Mal habe ich Gabriel Feltz in Hamburg wahrgenommen. Das war 1991, während der Proben zu John Neumeiers Inszenierung von Bernsteins Musical «On the Town». Feltz, 20 Jahre jung, war damals Assistent des Generalmusikdirektors Gerd Albrecht und saß bei den Bühnenproben als Korrepetitor im Orchestergraben. Zu seinen Aufgaben gehörte es, uns Aushilfssänger, die das nicht sehr stimmstarke Corps de ballett in den Chornummern akustisch aufpolsterten, auf Linie zu bringen.

Feltz war die Geduld in Person, wenn es darum ging, uns die Partien einzubimsen, um den nötigen Broadway-Schwung zu entfachen. Schnell war klar, dass dieser schlaksige Typ eine Zukunft haben würde: Musikalität, Überzeugungskraft, Fleiß und Gewissenhaftigkeit vereinigten sich in einer sympathischen Zugewandtheit. 13 Jahre später begegnete ich ihm wieder, als er zum Chef der Stuttgarter Philharmoniker berufen wurde. Zuvor war er nach Stationen in Bremen und Lübeck mit 29 Jahren GMD am Theater Altenburg-Gera geworden – es war einer dieser dynamischen musikalischen Lebensläufe, wie sie so nur das deutsche Theater ermöglicht, man denke an Christoph von Dohnányi, Gerd Albrecht oder Christian Thielemann.

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Opernwelt November 2025
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Götz Thieme

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