Aaaaahhh
Arme Effi. Wie Theodor Fontane das Schicksal des Mädchens aus dem Havelland in seinem perfekt temperierten Roman beschreibt, geht noch immer unter die Haut. Die ins Korsett erstarrter Gesellschaftsregeln gezwängte Lebensfreude. Das naiv-provinzielle Aufsteigersehnen nach einem Leben in der Berliner Noblesse. Die innere Vereinsamung unter dem Regiment eines Gatten, der in pflichtschuldigem Dienst an König und preußischem Vaterland aufgeht. Die Flucht in eine Romanze mit tödlichem Ausgang. Das Verlöschen der Kräfte, das siechende Ende, von der Welt verstoßen, von Gott verlassen.
Kein Zweifel, «Effi Briest», 1896 erstmals als Buch erschienen, vielfach dramatisiert und verfilmt, ist das deutschsprachige Pendant zu Gustave Flauberts «Madame Bovary». Große Literatur, die weder verklärt noch verurteilt, vielmehr mit menschlichem Maß misst, von Irrungen, Wirrungen und der Macht des Zufalls erzählt, in geschliffener, aus Sympathie gewonnener Sprache.
In 36 Kapiteln entfaltet Fontane die Tragödie seiner ins Nichts gleitenden Heldin. Und exakt 36 – von einem Prolog und Epilog gerahmte – Szenen gliedern auch das musikdramatische Opus, das Siegfried Matthus im Auftrag des Staatstheaters ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Albrecht Thiemann
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Das Elend dieses ganz und gar missglückten Opernabends zeigt sich ausgerechnet in seinem schönsten Moment. Da schleicht ein Plüschpuma auf die Bühne, mächtig wie ein Elefant, wild wirft er den Kopf, reißt das Maul auf und wackelt mit dem Schwanz. Warum bekommt das Vieh eigentlich keinen Szenenapplaus? Das Team der Theaterplastik hat sich selbst übertroffen, aber...
Etwas Auffälliges übersehen? Dazu fällt uns Luciano Pavarotti ein, der in einer Talkshow mal vom schönsten Kompliment erzählte, das er je erhalten habe: In London habe ein Mann ihn auf der Straße ungewollt angerempelt und sich mit den Worten entschuldigt: «Sorry, I didn't see you ...» Zwar wirkt die Anekdote, angewandt auf die Spielplanpolitik der Wiener...
