À la Lubitsch
Herr Wieler, Herr Morabito, wie kamen Sie eigentlich zu dieser Jugendoper Mozarts?
Wieler: Ich kannte das Stück noch nicht, als ich für die Amsterdamer Produktion eingeladen wurde, obwohl wir in Stuttgart den «Titus» schon inszeniert hatten. Damals hatte ich noch etwas Angst vor dem Operngenre. Ich dachte lange, dass ich nie eine Oper inszenieren könne, aber allmählich entdeckte ich die Freiheit, die diese Kunstform bietet.
Morabito: «Lucio Silla» war eine alte Liebe von mir. Die Opere serie von Mozart sind immer unterschätzt worden. Wenn man aber die Zeit des 17. und 18.
Jahrhunderts betrachtet und die Stücke von Corneille und Racine liest, realisiert man, dass die frühen Mozart-Opern autonome Kunstwerke sind. Man spricht immer wieder über die späteren Werke, aber auch ohne diese wäre «Lucio Silla» interessant. Der Librettist Giovanni de Gamerra war ein Autor von larmoyanten Komödien, die den Klassizismus seiner Zeit schon untergraben. Er steht völlig in der bürgerlichen Tradition der Aufklärung.
Wieler: Auch «Lucio Silla» hat etwas Komisches, etwas Tragikomisches. Das wollen wir herausarbeiten. Wir wollen das Werk aber nicht veralbern, wie man es oft bei Barockopern sieht. Es ist ...
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Es ist schon etwas anderes, wenn die amerikanische Flagge mit ihrem Versprechen von Freiheit für jedermann im Opernhaus einer Stadt erscheint, deren Flughafen «George Bush» heißt, und wenn die «Stars and Stripes» immer dann aus dem musikalischen Fluss auftauchen, wenn auf der Bühne gelogen wird: Die «Butterfly»-Inszenierung, mit der Francesca Zambello vor sechs...
Der Blick fällt in eine weite Halle, deren Tiefe sich ins Endlose zu erstrecken scheint. Feldbetten, eine Waschgelegenheit, Tische, Bänke und vor allem: zahllose gleichförmige Lampen, deren geometrisch ausgerichtete Reihen die großen Raumdimensionen noch unterstreichen. Allein diese Verhältnisse deuten schon auf die Monotonie des Alltags. Pierre Strosser verzichtet...
Da hilft kein Fleckenteufel: Am Ende ist das weiße Sofa nicht weniger blutüberströmt als jene, die auf ihm lebten, liebten und starben. Dass Philipp Himmelmann kein Möbelschoner ist, hat er schon in seiner Berliner «Don Carlo»-Inszenierung bewiesen, wo Spanien an, auf und unter einem Esstisch regiert wurde. In der Heimat des Regisseurs muss nun ein Viersitzer dran...
