À la française
Mit ihrem Debüt-Recital «Jardin nocturne» verabreicht uns Isabelle Druet eine konzentrierte Dosis französischer Salon-Melancholie. Das Programm ist riskant, denn die 19 Lieder von sieben französischen Komponisten umkreisen die immer gleiche, depressive Nachtstimmung. Da droht Monotonie. Zumal sich das Repertoire literarischer Requisiten bald erschöpft. Das geheimnisvolle Spiel des Mondes auf leicht gekräuselter Wasseroberfläche ist bezaubernd. Beim Blick in den zehnten Brunnen aber beginnt es auch den überzeugtesten Décadent zu nerven.
Dann kommen einem sogar die Klavierbegleitungen des sonst geschätzten Proust-Freundes Reynaldo Hahn mit ihren ewig gebrochenen Akkorden ziemlich stereotyp vor. Was für ein Gigant ist dagegen Chausson mit seinen harmonischen Ausschreitungen. Und man begreift, warum Poulenc, mit dem das Recital beginnt und endet, eine vollkommen neue Konzeption des französischen Liedes schuf: Er befreite es aus der ausgeleierten Konvention der «mélodie», indem er die Melodie strich und eine Art musikalischer Spruchdichtung schuf.
Der leichte, gläserne, in der Mittellage auch substanzielle Ton der 31-jährigen, von William Christie und René Jacobs geförderten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 24
von Boris Kehrmann
Zwei Puccini-Inszenierungen aus New York und Amsterdam, die jetzt auf DVD vorliegen, bringen den Komponisten, der oft genug ans Rampen- oder Konzeptionstheater verraten wird, als einen der zentralen Musikdramatiker des frühen 20. Jahrhunderts zur Kenntlichkeit. Zwei Regisseure, die genau lesen können, haben ihre Hausaufgaben gründlich gemacht. Ungewöhnlich ist die...
Nach dem Ende des Dritten Reiches war keine kulturelle Institution so kontaminiert wie die Bayreuther Festspiele. Einzig dem Testament von Sohn Siegfried und dem Besitz des Festspielhauses hatte es die bereits seit 1923 ganz der Person Hitlers und seiner völkischen Weltanschauung hörige Familie Wagner zu verdanken, dass man ihr die Fortführung der Festspiele nicht...
«300 Jahre Theater in Darmstadt»: Man kann ein solches Jubiläum ganz unterschiedlich feiern: mit einer Festoper etwa, Wagner ist immer gut geeignet, oder mit neuen Werken. Oder: mit Kostproben aus allen Genres und Sparten. In dieser Spielzeit hat Darmstadt nicht nur «Fidelio», «Rheingold» und «Walküre» auf dem Premierenprogramm stehen, sondern auch zwei...
