Ein Traum – das Leben
Es kann so einfach sein. Ein kleiner Trick, ein genaues Lesen, und schon entsteht theatralische Wahrheit dort, wo man sie nie vermutet hätte. Denn seien wir ehrlich: Ist Donizettis «Lucrezia Borgia» nicht eigentlich ein Himmelfahrtskommando für jeden Regisseur? Gift und Gegengift, Mutterliebe und Muttermonster, Ehehölle und höllische Ehrbegriffe. Victor Hugo hat alles zusammengeklaubt, was die finstere Renaissance an Mord und Totschlag hergab. Der Name Borgia ist Programm. Und er ließ sich prächtig implantieren in die affektierte Düsternis der französischen Romantik.
Wenn Donizetti das Ganze mit Harfenglitzern und melodischer Edeldiskretion beleuchtet, wird es kaum logischer. Oder doch?
Christof Loy versucht auf der leeren, nur aus abgenutztem Bretterboden und einer halbhohen Rückwand mit den neonbeleuchteten Lettern der Titelfigur bestehenden Bühne gar nicht erst, eine Geschichte mit Anfang und Ende zu erzählen. Er nimmt den aktlangen Prolog als das, was er ist: eine Richtmarke für alles Folgende. Lucrezia und ihr Sohn Gennaro begegnen sich in einer Art Traumspiel. Nicht wirklich, aber eben doch viel scheuer, zärtlicher, wahrer, als es in der Realität je möglich wäre. Bei (fast) ...
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Eines der markanten Merkmale des Mannheimer Nationaltheaters sind die Logenbalkons aus rohem Sichtbeton, die im Laufe der Jahre schmuddelig und dunkel geworden sind. Ob sich Regisseurin Monique Wagemakers und Bühnenbildner Thomas Rupert für ihre Deutung der «Ariadne auf Naxos» von dieser Architektur haben inspirieren lassen, sei dahingestellt. Wenn der Vorhang...
Kein Zufall, dass die Opernhäuser einen Bogen machen um Manuel de Fallas knapp über einstündigen Zweiakter «La vida breve» von 1905. Immerhin könnte man ihn als eine Art spanische Nationaloper bezeichnen – mangels sonstiger Masse: De Fallas monumental konzipiertes Spätwerk «Atlántida» blieb unvollendet und in (von Ernesto Halffter) unbefriedigend komplettiertem...
