Immer auch Oper
In meinem Besitz befindet sich ein Papiertischtuch. Es ist fleckig und mit drei verschiedenen Handschriften bekritzelt: links jene von Rolf Borzik, dem früh verstorbenen Bühnenbildner und Lebensgefährten von Pina Bausch; in der Mitte jene der großen Tanzpoetin, rechts die des damaligen Wuppertaler Musikdramaturgen und Schreibers dieser Zeilen.
Es ist ein Tischtuch aus einem spanischen Restaurant in Wuppertal-Elberfeld, in das sich Pina Bausch allabendlich nach der letzten Probe mit ihrer Truppe zurückzog, und es dokumentiert eine Phase des für sie typischen Kreativprozesses um die Titelfindung für einen neuen Tanzabend – hier von «Renate wandert aus» (1977), einem dezidiert als «Operette» bezeichneten Abend.
Der Musikdramaturg am gleichen Tisch? In den ersten Jahren von Pina Bausch in Wuppertal galten dort Zuordnungen wie in den meisten Dreispartentheatern. Also war der Operndramaturg auch fürs Ballett zuständig, in diesem Fall eben für das Tanztheater der Bausch. Oper war freilich ein wichtiger Teil ihrer ersten Wuppertaler Zeit. 1972 hatte sie dort das Bacchanal für Kurt Horres’ Inszenierung von Wagners «Tannhäuser» choreografiert, eine Arbeit von ungeheurer erotischer Dynamik. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auf ein Neues! Der Freiburger «Ring» ist auf seiner dritten Station bereits bei seinem dritten Dirigenten angekommen. Fabrice Bollon, seit dieser Saison GMD, wird das Unternehmen auch 2010 zum Zyklus bündeln. Wie er und das propere Philharmonische Orchester Freiburg nun den «Siegfried» ausbreiteten, das ist schlicht bravourös. Diese Wagner-Deutung mag anfangs zum...
Eine Gemeinschaftsproduktion von Oper und Ballett. Für Christian Spuck, den renommierten Hauschoreografen des Stuttgarter Balletts, ist der Weg des Orpheus, wie ihn Glucks Musik erzählt, eine Jenseitsreise, eine Initiation, die den thrakischen Sänger bei seinem Versuch, seine tote Geliebte wiederzugewinnen, über die Erde hinaus in die Unterwelt und ins Elysium...
Damals, in den studentenbewegten, morgenroten siebziger Jahren, ahnte wohl niemand, dass das schöne Italien, Sehnsuchts- und touristischer Wallfahrtsort unzähliger Nordlichter, eines Tages von Leuten regiert würde, die für die sogenannte «Hochkultur» nur Verachtung übrig haben. Statt, wie heute Berlusconi, die Theater, Orchester und Museen des Landes (nicht nur die...
