Immer auch Oper

Zum Tod der Tanzpoetin Pina Bausch

Opernwelt - Logo

In meinem Besitz befindet sich ein Papiertischtuch. Es ist fleckig und mit drei verschiedenen Handschriften bekritzelt: links jene von Rolf Borzik, dem früh verstorbenen Bühnenbildner und Lebensgefährten von Pina Bausch; in der Mitte jene der großen Tanzpoetin, rechts die des damaligen Wuppertaler Musikdramaturgen und Schreibers dieser Zeilen.

Es ist ein Tischtuch aus einem spanischen Restaurant in Wuppertal-Elberfeld, in das sich Pina Bausch allabendlich nach der letzten Probe mit ihrer Truppe zurückzog, und es dokumentiert eine Phase des für sie typischen Kreativprozesses um die Titelfindung für einen neuen Tanzabend – hier von «Renate wandert aus» (1977), einem dezidiert als «Operette» bezeichneten Abend.

Der Musikdramaturg am gleichen Tisch? In den ersten Jahren von Pina Bausch in Wuppertal galten dort Zuordnungen wie in den meisten Dreispartentheatern. Also war der Operndramaturg auch fürs Ballett zuständig, in diesem Fall eben für das Tanztheater der Bausch. Oper war freilich ein wichtiger Teil ihrer ersten Wuppertaler Zeit. 1972 hatte sie dort das Bacchanal für Kurt Horres’ Inszenierung von Wagners «Tannhäuser» choreografiert, eine Arbeit von ungeheurer erotischer Dynamik. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Erinnerung, Seite 65
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Apropos ... Papst

Frau Silja, in unserem letzten «Opernwelt»-Gespräch, das 1994 erschien, sagten Sie, es reize Sie auf der Bühne nur noch das  «Unmachbare». Was ist das konkret?
Das «Unmachbare» ist nicht erklärbar, ebenso wenig wie die großen Gefühle. Sie trotzdem ohne falsches Pathos umzusetzen, ist für mich das Faszinierende der Oper.

Sie haben sich vor einigen Jahren taufen...

Italienische Reise

In der letzten Szene von Donizettis «Maria Stuarda» betritt, jedenfalls in Pier Luigi Pizzis Inszenierung, mit dem einleitenden Chor auch der Henker die Bühne. Erst unentschlossen, sucht er seinen Platz und stellt sich, auf sein Beil gestützt, in Positur – ein lebendes Standbild seiner Profession. Er muss sich allerdings in Geduld üben, denn der Chor lässt sich...

Vor den Augen eines Wolfes

In seiner 1899 uraufgeführten Oper «Die Zarenbraut» hat Nikolai Rimsky-Korsakow vor einem breit ausgeführten historischen Gemälde das Schicksal zweier Frauen geschildert, die beide Opfer männlicher Gewalt werden: Marfa, die unglückliche Zarenbraut, weil sie sich nicht wehrt, Ljubascha, die Geliebte des Opritschniks Grjasnoi, weil sie sich wehrt. Die historischen...