Liebeshoffnung

Brüssel, Debussy: Pelléas et Mélisande

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Man geht nicht zu weit, wenn man behauptet, dass der indische, seit Langem in London lebende Bildhauer Anish Kapoor das Ausufernde, ja Uferlose liebt. Gegen Gigantomanie von Arbeiten wie «Marsyas» (London), «Syayambh» (München) oder «Cloud Gate» (Chicago) mutet das Gebilde, das Kapoor für die Neuinszenierung von Debussys «Pelléas et Mélisande» am Théâtre La Monnaie in Brüssel entworfen hat, geradezu niedlich an. Was es genau darstellt, dieses zugleich konkave und konvexe, offene und geschlossene, auf Stelzen stehende Objekt, ist nicht mit Sicherheit zu sagen.

Es genügt als erhaben abstraktes Einheitsbühnenbild für die fünf Akte und zwölf Tab­leaus, und es passt, weil schon Maeterlincks symbolististisches Drama, und die Oper selbst das theatral Einhellige bewusst vermeiden.
Das Geheimnis des Stücks bleibt in Brüssel gewahrt. Am Anfang, zwischen den Stelzen (sprich: Bäumen), ein furchtsames Wesen: Mélisande. Sandrine Piau, erstmals in dieser Rolle zu erleben (wegen ihrer luziden, brunnenklaren Stimme und ihrer herausragenden Textverständlichkeit ein Genuss), trägt ein weißes Kleid, in den Händen ein Bündel, auf dem Kopf: nichts. Elf Szenen lang bleibt sie die kahle Sängerin. Ein ...

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Opernwelt November 2008
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Jürgen Otten

Vergriffen
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