Dein ist mein ganzer Schmerz
Das Werk steht unangetastet vor uns. Doch die Umstände haben sich radikal verändert, damit die Bedingungen der Rezeption.
Denn wohl niemand wird ernstlich bezweifeln, dass der Hauch des Exotischen, wie er noch 1929 vom Land des Lächelns ausging, inzwischen einer fast pragmatischen Sichtweise gewichen ist: China, das ist nicht mehr länger Chiffre für das Andere schlechthin, für den Duft der Lotusblüte, für Dynastie und Mystik, China ist schlicht ein Land, mit dem man Wirtschaftsbeziehungen pflegt oder wohin man reist, um an den Olympischen Spielen teilzunehmen (oder auch nicht, betrachtet man die aktuelle politische Lage) und (wenn man fährt) nebenher die Chinesische Mauer zu besichtigen.
Betrachtet man Lehárs «Land des Lächelns» aus dieser gleichsam realkapitalistischen Perspektive, mutet diese romantische Operette beinahe lieblich-naiv an. Das betrifft sowohl die musikalische Faktur, die doch recht klischeehaft mit den Eigenheiten Chinas verfährt (Pentatonik, Quinten- und Quartenreihungen et cetera) wie auch das Libretto der Operette, welches Ludwig Herzer und Fritz Beda-Löhner nach Victor Léon verfassten. Für die neue Aufnahme durch Ulf Schirmer, das Münchner Rundfunkorchester, ...
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