Auf Höhenflug
Einen Exotenbonus bekommen sie heute nicht mehr. Anzahl, sängerische Qualität und Variationsbreite innerhalb des Stimmfachs der Countertenöre nehmen stetig zu. An fast jedem Stadttheater trat schon einmal ein Counter in einer tragenden Rolle auf. Vorbei sind die Zeiten, als ein «Falsettist», der die Aufnahmeprüfung an einer Hochschule mit Bravour bestand, nicht zum Studium zugelassen werden konnte, weil niemand im Stande war, ihn zu unterrichten.
Dennoch herrscht noch immer eine biblische Sprach- und Begriffsverwirrung, wie denn die höchsten Männerstimmen zu bezeichnen seien – und dies jenseits von Tonumfang, Timbre oder Repertoire: Falsettist, Countertenor, contre-ténor, tenorino, tenor-altino, Altus, Contralto oder gar Haute-contre – bekanntermaßen auch der Name für den hohen Tenor der französischen Oper des 18. Jahrhunderts. Ob lateinisch oder italienisch, deutsch oder französisch: kein CD-Booklet, das hier nicht ins Schwimmen geriete. Und wenn gar von einem Countertenor als Mozarts Idamante im «Idomeneo» von 1781 die Rede ist (den er für den Kastraten Vincenzo Dal Prato komponierte), dann ist das Chaos perfekt.
Ein Missverhältnis herrscht zwischen der mittlerweile ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mercadante ist ein seltener, aber doch regelmäßiger Gast auf unseren Spielplänen. Als vor zwei Jahren das Stadttheater Gießen an «Il giuramento» erinnerte, war in einem repräsentativen Feuilleton von «Kleinod» die Rede. Beim Label «Opera Rara» gibt es darüber hinaus Editionen wie «Mercadante rediscovered» oder «Soireés Italiennes». Seit Neuestem ist eine...
Dank ihrer Vielseitigkeit hat Silvana Dussmann in den letzten Jahren gern Fuchs und Hase mit der Opernszene gespielt: Kaum war sie überregional in einem Fach aufgefallen, präsentierte sie sich an einem anderen Haus in einer Partie, die ganz und gar nicht dazu passte. Rosalinde und Norma, Chrysothemis und Verdis «Maskenball»: Zwanzig Jahre nach ihrem Debüt kann...
Für die Semiseria «Torvaldo e Dorliska», die er im Herbst 1815 zwischen «Elisabetta» und «Barbiere di Siviglia» für das römische Teatro Valle komponierte, hatte Rossini wie so oft nicht viel Zeit und hat sie deshalb mehr oder weniger aus bewährten Versatzstücken zusammengefügt. Der Eindruck ist entsprechend uneinheitlich: viel schönes Sängerfutter, aber wenig...
