Wenn die Gefühle straucheln
Was wird in diesem minutiös nachgebauten, von Sonnenlicht durchfluteten Wiener Kaffeehaus des 19. Jahrhunderts mit seinen vom Zigarrenrauch der Jahrzehnte angegilbten Putz wohl gespielt? Lessings «Minna», die in einem Wirtshaus beginnt? Eine Nestroy-Komödie? Schnitzler? Oder doch eine Mozart-Oper? Mit kleiner, separater Bühne ist dieser Ort ausgestattet, einer Menge Bistro-Tische und -Stühle, aber auch Türen zu Nebenzimmern. Links gibt es eine Terrasse, rechts einen gläsernen Windfang.
Am Ende hat sich die Intimität und zugleich potenzielle Öffentlichkeit dieses Raums als ideal erwiesen für eine «Così fan tutte»-Aufführung, die von psychologisch genauer Personenregie lebt, aber auch den Realismus einer solchen immer wieder durchbricht. Da tröstet Fiordiligi schon mal selbstvergessen Ferrando, der gerade angesicht des Treuebruchs seiner Verlobten zu Boden gegangen ist, noch bevor er die neue Flamme – ganz der Wette gemäß – emotional attackieren konnte. Da gehen Szenen ineinander über, hören und sehen Menschen etwas, das sie eigentlich laut Stück gar nicht bemerken sollten. Da schleicht sich aber auch momentweise heitere Commedia-dell-arte-Stilisierung in das bitter-süße Lehrspiel ...
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Ein spitzwinkliges Dreieck läuft von der Spielfläche auf die knapp darunter sitzenden Orchestermusiker zu. In diesem Zipfel spielt ein Kind, schon bevor die mysteriösen Gähn- und Schlaflaute aus den tiefen Streichern ertönen, und bastelt sich langsam ein Schiffsmodell zusammen. Es ist der Lustknabe, Streitobjekt zwischen Elfenkönigin Titania und ihrem Oberon. Am...
Boitos «Mefistofele» hat in der Geschichte der Schallplatte eine Rolle gespielt, die in keinem Verhältnis steht zu der vergleichsweise bescheidenen Verbreitung des Werkes auf der Bühne. Kaum ein Tenor des italienischen Fachs hat es in den letzten hundert Jahren versäumt, sich mit den beiden Arien des Faust zu verewigen, kein lirico-spinto-Sopran hat Margheritas...
Es ist ein Kreuz mit schlechten Libretti. Sie können ganze Opern, aller musikalischen Qualitäten ungeachtet, in die Vergessenheit stoßen, und können umgekehrt – ihrer mäßigen, um nicht zu sagen schlechten literarischen und stofflichen Verarbeitung zum Trotz – manchen Meisterwerken einfach nichts anhaben. Das Textbuch zu Verdis «Trovatore» ist gewiss der letzteren...
