Wenn der Klang dem Bild folgt
Das Bühnenbild von Paolo Fantin wird von einem monumentalen zerbrochenen Spiegel beherrscht. Die Konstruktion prägt die Inszenierung von „La traviata“ (siehe auch Seite 4) und ist zugleich Teil der akustischen Umgebung. Zahlreiche Lautsprecher müssen unsichtbar in das Bühnenbild integriert werden.
Für das Tonteam stellte sich damit erneut die zentrale Bregenzer Frage: Wie gelingt es, dass eine Stimme auch akustisch dort wahrgenommen wird, wo der Sänger oder die Sängerin auf der bis zu 90 Meter breiten Bühne zu sehen ist – und das auch in den hintersten Reihen, rund 100 Meter entfernt? Bei den großen Festszenen ist das keineswegs selbstverständlich. Chor, Solisten und Statisterie bewegen sich auf verschiedenen Spielebenen, während die Wiener Symphoniker im Großen Saal des Festspielhauses spielen. Trotzdem sollen Bild und Klang zusammengehören. Die eigentliche Herausforderung von „La traviata“ liegt vielleicht sogar an einer anderen Stelle. Die stärksten Augenblicke sind oft die leisen. Violettas Einsamkeit, ihre Verletzlichkeit und schließlich ihr Sterben müssen unter freiem Himmel und vor knapp 7000 Menschen ebenso glaubwürdig bleiben wie das große Festbild.
Vom Richtungshören zu ...
„Der größte Faktor ist die Umwelt“
Jürgen Goeres-Petry: Clemens Wannemacher, als Leiter der Tonabteilung der Bregenzer Festspiele erleben Sie, dass die Beschallung in Kritiken selten erwähnt wird. Ist das eher Anerkennung oder fehlende Wertschätzung?
Clemens Wannemacher: Ich vergleiche unseren Job gern mit dem eines Torhüters. Wenn er gut arbeitet, merkt man ihn kaum – er ist der Rückhalt für die Mannschaft. Mein Ideal ist, dass das Publikum sich über den Sound keine Gedanken machen muss. Wenn optischer und akustischer Eindruck nicht übereinstimmen, beginnt man nachzudenken; dann ist man aus der Geschichte heraus. Gleichzeitig finde ich es schade, dass Sounddesign im Musiktheater oft nicht einmal im Programmheft oder beim Premierenapplaus als künstlerische Leistung sichtbar wird.
Was war bei „La traviata“ gegenüber der vorherigen Produktion „Der Freischütz“ neu?
„La traviata“ ist technisch deutlich einfacher umzusetzen. Beim Freischütz haben wir uns mit einem sehr komplexen Setup weit nach der Decke gestreckt. Jetzt können wir stärker an Details arbeiten. Das zweite Mischpult ist wieder aus der Regie verschwunden, die Mischung ist wieder ein effizienter Einmannbetrieb. Geändert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent der Bühnentechnischen Rundschau? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Bühnentechnische-Rundschau-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Bühnentechnische Rundschau
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
BTR Ausgabe 5 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 22
von Jürgen Goeres-Petry
In Deutschland schließen Theater- und Konzerthäuser, weil ihre Sanierung zu teuer erscheint oder andere Nutzungen als dringlicher gelten. Auch Solingen befindet sich vor einer solchen Entscheidung. Zur Diskussion steht, das Theater und Konzerthaus abzureißen, um am selben Standort eine zentrale Feuerwache zu errichten. Das Theater soll an anderer Stelle kleiner neu...
Vorschau
Sanierung am Tanzbrunnen Köln
Das denkmalgeschützte Open-Air-Gelände am Tanzbrunnen in Köln-Deutz wurde umfassend renoviert. Alle Modernisierungsarbeiten fanden in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz statt, um die besondere Charakteristik der historischen Eventfläche zu erhalten. Das Ensemble mit seiner außergewöhnlichen Dachkonstruktion verfügt nun...
Seit dem Barock bilden mit Stoff bespannte Holzrahmen einen unverzichtbaren Bestandteil des (analogen) Bühnenbilds. Erstaunlicherweise hat sich diese klassische Bauweise über die Jahrhunderte hinweg kaum verändert – sie ist leicht, flexibel und in den Theaterwerkstätten fest etabliert. In heutigen Zeiten, mit dem Wissen der modernen Ingenieurwissenschaft, stellt...
